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  24. 05.2005

Produktionsstop: Aus für den Kodachrom

Am Wochenende des 8. Mai 2005 ging mit über 45 Veranstaltungen in insgesamt 40 Städten auf drei Kontinenten der 2. Global Super 8 Day über die Bühne. Dass Ereignis hat aufgezeigt, das die internationale S8-Szene immer noch eine verschworene Gemeinschaft ist. Kaum war jedoch das Rattern der Projektoren verklungen, zogen über dem Himmel von Rochester im US-Bundesstaat New York dunkle Wolken auf. Das Kodak-Mutterhaus gab bekannt, dass die Produktion des in Europa noch weitverbreiteten Kodachrome 40 Super-8-Films eingestellt würde. Das ist bedauerlich, sehr bedauerlich.

Goodbye Kodachrome 40
Der Kodachrome-40-Film symbolisiert das Super-8-Filmformat wie kein anderer der heute noch erhältlichen Super-8-Filmen. Er steht für das Simpeleinfache der Filmerei auf Zelluloid: Film-Kassette einlegen, losfilmen, Kassette in den gelben Versand-Beutel stecken und ab ins Labor. Nur wenige Tage später liegt der fertig entwickelte Film im Briefkasten. Phänomenal sind seine Schärfe und die hohe Farbsättigung. Damit soll jetzt ein für allemal Schluss sein. Kodak nennt als Grund für den Produktionsstop einen massiven Rückgang der Verkäufe in kurzer Zeit. Der Homemovie sei definitiv in den Digital-Film-Bereich abgewandert. Laut dem Fachmagazin «Schmalfilm», das jetzt zur «Petition against Production Stop of Kodachrome 40» aufgerufen hat, sind derzeit noch etwa 40‘000 Kassetten mit den Verfalldatum 11/2005 im Umlauf. Kodak hat die im Filmpreis inbegriffene Entwicklung noch bis mindestens Mai 2006 zugesichert.

Bei der Entwicklung liegt auch ein wesentlicher Schwachpunkt dieses Film-Materials. Der Kodachrome-Entwicklungsprozess ist ein sehr aufwändiges Verfahren, das insgesamt 14 verschiedene Prozess-Bäder umfasst. Es gibt heute neben dem Kodak-Labor in Lausanne weltweit nur noch wenige Anlagen, die diesen Entwicklungsprozess überhaupt noch durchführen können. Ausserdem ist die Kodachrome-Entwicklungsanlage in Lausanne total veraltet. Sollte sie dereinst ihren Dienst versagen bestünde ein ernsthaftes Problem, liess ein Kodak-Vertreter unlängst gegenüber Super8site.com verlauten. Dennoch sei man in Lausanne darum bemüht, die Entwicklung von Kodachrome 40 Super-8-Filmen noch bis Ende 2006 aufrecht zu erhalten.

Hello Ektachrome 64T
Vermutungen, wonach Kodak den Kodachrome 40 durch einen Ektachrome-Film ersetzten könnte, machten in der Super-8-Szene schon sein längerem die Runde. Ein neuer Film, der 64T 7280, wurde jetzt im selben Zug von Kodak auf August 2005 abgekündigt. Was ist von diesem Film zu erwarten? Es handelt sich um einen Kunstlichtfilm (3200 K) mit einer Empfindlichkeit von 64 ASA. Er hat ähnlich dem Kodachrome 40 eine sehr hohe Farbsättigung und das Korn soll nur wenig gröber sein. Der Film kann mit dem E-6-Entwicklungsprozess verarbeitet werden. Das tönt eigentlich alles ganz viel versprechend, und die Chancen, dass dieser Film in der S8-Gemeinde einen besseren Anklang findet als der Ektachrome 7240, stehen nicht schlecht.

Aber eben, auch bei den guten Nachrichten bleibt ein schaler Nachgeschmack und eine Menge offener Fragen. Wie wird sich die separate Filmentwicklung auf den Verkaufspreis auswirken? Wird der neue Film in den Fotofachgeschäften überhaupt dem Kodachrome 40 nachziehen, oder wird der neue Film nur noch bei wenigen Spezialgeschäften erhältlich sein? Mit dem Verschwinden des Kodachrome 40 verabschiedet sich Super 8 definitiv aus dem Homemovie- in den professionellen Moving-Image-Bereich. Befürchtungen, dass somit der Super-8-Film vollends aus den öffentlichen Bewusstsein verschwinden wird, sind leider berechtigt.


Mehr zum Produktionsstop des K 40:


Wie weiterfilmen mit dem K40? Antworten auf fünf Fragen.

Hindergrund: Aus für den K40 Super-8-Film.

Was ist der Unterschied zwischen einer Kodachrome- und einer E-6-Entwicklung?

Die Petition gegen den Produktionsstop der K 40.

Übersicht Dossier Stop K40


LINKS:

Pressemeldung von Kodak