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  29.07.2010

100D im Test: Schiesst in fast allen Disziplinen gute Noten

Wunder in der Schmalfilmwelt? Ja es gib sie noch! Kodak lancierte mit dem Ektachrome 100D einen neuen Farbumkehrfilm für Super 8. Super8site belichtete zwei Rollen und gibt erste Testresultate bekannt.

Von Beatrice Jäggi
Die Aufruhr war gross, als Kodak vor vier Jahren den beliebten aber nicht mehr ganz umweltkonformen Kodachrome 40 durch den Ektachrome 64T ersetzte. Leicht hatte es der 64T bei der Filmern nie. Man rieb sich die Augen ab dessen grobem Korn und beargwöhnte die 64 ASA, welche viele Kameras nicht lesen können. Gross war die Überraschung, als Kodak diesen Frühling mit dem Ektachrome 100D einen neuen Farbumkehrfilm im Super-8-Format ankündigte. Wittner Kinotechnik und Pro8mm konfektionieren dieses feinkörnige und farbenfrohe Material schon seit einigen Jahren für S8-Kassetten als Alternative zum 64T. Dass Kodak nun dasselbe tut zeigt, dass Super 8 in Rochester noch nicht auf dem Sterbebett liegt.

E
in kleines Verwirrstück bleib: Beim Ektachrome 100D handelt es sich um einen Tageslichtfilm. Belichtet wird er jedoch in der Kunstlichtposition. Sowohl K40 als auch der 64T waren Kunstlichtfilme. Darauf sind alle Kameras mit einem eingebauten Orangefilter (85B) eingerichtet für Tageslichtaufnahmen. Mit dem neuen 100D wird dieser Orangefilter obsolet.

Super8site testete zwei Rollen des neuen 100D in den beiden Kameras NIZO 801M und Bolex 350 (macro compact). Letztere kann nur die ASA-Werte 160 und 40 lesen und belichtet den Film automatisch mit 160 ASA. Als Motive wurden Tages- wie Kunstlichtaufnahmen gemacht.

Schärfe und Korn: Die beiden Faktoren sind die grossen Pluspunkte des 100D. Die Feinheit des Korns bleibt minimal hinter jenem des alten ehrenwerten K40 zurück. Kurz: Der 100D ginge wohl bei manch Unwissenden als K40 durch.

Farbe und Kontrast: Der 100D hat viel intensivere und wärmere Farben als der 64T, der im direkten Vergleicht total wässrig daherkommt. Auch die Dichte ist beim 100D um Welten besser. Seine Färbsättigung erinnert an jene des K40, welcher ebenfalls einen grossen Rot-Farbraum aufwies. Der 100D spricht auf die Farbe Rot jedoch noch stärker an, was sich vor allem bei Kunstlichtaufnahmen auswirkt. Bilder mit einer 1000 Watt Lampe ausgeleuchtet ertrinken in tief orangefarbenem Ton. Ein am Objektiv vorgeschraubter Blaufilter neutralisiert die Farben zwar, drückt dafür aber die Lichtempfindlichkeit um zwei volle Blenden von 100 auf 25 ASA. Dieses Problem ist fast nur mit einer teuren Tageslichtlampe (5500 K) zu lösen. Hier offenbart sich auch der grösste Schwachpunkt des 100D im Vergleich mit dem 64T. Bei Mischverhältnissen von Kunst- und Tageslicht -– beispielsweise eine Szene an einem beleuchteten Tisch wo draussen Abenddämmerung herrscht -– liefert der 64T mit seinen 64 ASA noch ganz passable Resultate. Beim 100D kippen die vom Kunstlicht beleuchteten Stellen in einen unakzeptablen Rotstich: Da bekommen die Gäste am Tisch sprichwörtlich rote Köpfe. 

Spielraum der Belichtung: Bei sehr intensivem Sonnenlicht kommt mit einer Laufgeschwindigkeit von 18 Bildern in der Sekunde die Blende schnell in den oberen Bereich zwischen 16 und 22. Sämtliche mit der NIZO gefilmten Aufnahmen sind jedoch einwandfrei. Eine dritte Aufnahme, die unter den selben Lichtverhältnissen mit einem Graufilter (minus zwei Blenden) aufgenommen wurde, liefert ein identisches Resultat. Die Aufnahmen der Bolex entstanden ebenfalls unter grellem Sonnenlicht und weisen eine noch stärkere Farbsättigung und einen ziemlichen Geldstich auf, was man wohl der Unterbelichtung von zweidrittel Blenden zuschreiben muss. Ansonsten sind die Aufnahmen der Bolex im Bereich des Akzeptablen. Zwischen den Aufnahmen mit und ohne Graufilter sind keine Unterschiede auszumachen.

Fazit: Bei Tageslichtaufnahmen liefert der neue 100D überzeugende Resultate. Die Bilder erinnern stark an jene des Kodachrome 40. Bei Kunstlicht stösst der Film schnell an seine Grenzen. Grundsätzlich muss man mit dem 100D umdenken, weil es sich hier um einen Tageslichtfilm handelt. Ein Set von Grau- und Blaufiltern gehört zur Grundausrüstung und es empfiehlt sich auch als erstes einen Testfilm zu machen um den neuen Film kennen zu lernen. Allen in allem macht das Filmen mit dem neuen Ektachrome 100D jedoch Spass. Er ist ein rundum würdiger Ersatz für den K40 und könnte dem Super 8 neue Impulse verleihen. Entwickelt wird der 100D mit dem E-6-Prozess bei Andec in Berlin oder bei Graficolor in Bern.



Der 100D ist eine überzeugender Tageslichtfilm.


Das Ende des K40 noch immer nicht verkraftet? Hier kann der K40-Bastelbogen herunter-geladen werden.