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  09.04.2007

Viel Emotionen und rührende Reaktionen

Vor einem halben Jahr wurde in Lausanne das letzte von Kodak-Filmentwicklungslabor geschlossen. Super8site unterhielt sich mit Kodak-Mann Felix Berger über den ereignissreichen Herbst 2006. Felix Berger, verantwortlich für den Verkauf von Kino-Filmmaterial in der Schweiz, war selber jahrejang passionierter Super-8-Filmer.

Interview Beatrice Jäggi

Herr Berger, das Kodak-Labor in Lausanne ist Geschichte. Wie blicken Sie ein halbes Jahr nach der Schliessung auf die Ereignisse zurück?
Es war eine sehr bewegte Zeit für alle. Das Ende des weltweit letzten Kodachrome-Labors war auch für mich eine harte Tatsache. Wir haben uns in Lausanne lange für den Fortbestand des Betriebs stark gemacht. Am Ende mussten jedoch alle einsehen, dass es sowohl wirtschaftlich als auch umwelttechnisch keinen Sinn mehr machte. Gerade im Super-8-Bereich war das Geschäft innert sehr kurzer Zeit massiv eingebrochen.

Das Ende des Kodachrome hatte in der Super-8-Fangemeinde für einen grossen
Wirbel gesorgt.

Allerdings. Ich erhielt tagtäglich unzählige Anrufe aus der ganzen Welt. Die Reaktionen reichten von Dank, dass Kodak überhaupt noch Super-8-Filme herstellt, bis zu heftiger Verärgerung. Wenn ich dann nachfragte, wann sie den letzten Super-8-Film belichtet hätten, war die Antwort oft, das dies vor 10 Jahren geschehen sei. Dann gabt es auch rührende Reaktionen: Eine Woche vor Betriebsschluss stand eine junge Engländerin in der Empfangshalle. Sie war mit ihrer Super-8-Kamera extra aus London angereist und wollte unbedingt noch die letzten Meter Kodachrome-Film mit Aufnahen der Anlage füllen. Als ich ihr erklärte, dass wir keine Führungen mehr machen, brach sie in Tränen aus. Schliesslich wurde sie dann von einem Mitarbeiter doch noch im Hause herumgeführt.

Hat sich die Situation inzwischen beruhigt?
Ja, weitgehend. Im Moment erhalten wir täglich noch ca. 5 Kodachrome-Super-8-Kassetten aus ganz Europa.

Was machen Sie damit?
Die Kassetten senden wir unverarbeitet an den Absender zurück mit der Adresse jenes Labors in den USA, das diesen Service noch anbietet (Adresse siehe unten).

Das Labor in Lausanne wurde von vielen schon fast als heilige Entwicklungsstätte betrachtet. Da haben Sie in den vielen Jahren sicherlich noch mehr kuriosen Begebenheiten miterlebt.
Vor einigen Jahren kam sogar ein Japaner mit einer einzigen Kodachrome-Kassette angereist, die er noch am selben Tag entwickelt haben wollte.

Er brachte die Kodachrome-Kassette persönlich aus Japan im Labor vorbei?
In der Tat. Zuerst erkundigte er sich aus Japan per Telefon, wann man eine Kassette im Labor abgeben müsse, damit sie noch am selben Tag entwickelt werden kann. Letzter Termin war immer 9 Uhr morgens. Einige Tage später stand dieser Herr punkt viertel vor 9 mit einer einzigen Kodachrome-Super-8-Kassette in der Empfangshalle. Wer war extra mit dem Flugzeug auf Japan angereist und kam vom Flughafen Genf mit einem Taxi nach Lausanne. Um 14 Uhr nahm er in Genf einen Flug zurück nach Japan.
Unglaublich.

Wissen Sie was auf dem Film war?
Nein, da hat ihn leider niemand danach gefragt? Schade. Es müssen wirklich ganz wichtige Aufnahmen gewesen sein.

Was ist in der Zwischenzeit im Labor geschehen. Wurde die Kodachrome-Entwicklungsanlage demontiert?
Ja, bis zur letzten Schraube. Das Gebäude ist jetzt bis auf ein paar Teppiche leer. Kodak Lausanne hat vor kurzem Büros ein einem anderen Gebäude bezogen.

Konnten einige Maschinen weiterverwendet werden?
Wir haben einige Maschinen an andere Labors weitergeben. Jene Anlage, die die 900-Meter-Film-Rollen auf die 15-Meter-Spuhlen aufteilte und in die gelben Tüten abpackte, steht heute bei Andecfilm in Berlin. Am wichtigsten ist mir aber, dass alle Angestellten, denen wir kündigen mussten, eine neue Arbeit gefunden haben.

Der neuen Ektachrome 64T hatte keinen einfachen Start. Der Film wurde vor allem wegen des relativ groben Korns heftig kritisiert. Konnte sich der offizielle Nachfolger des K40 mittlerweile in der Schweizer-Super-8-Gemeinde etablieren?
Wir verkaufen im Monat ca. 200 Stück. Manchmal sogar etwas mehr. Das ist im Vergleich zu früheren Zahlen natürlich nicht viel, aber der 64T hat eine treue Kundschaft gefunden. Der 64T macht neben den schwarzweissen und den beiden Farb-Negativ-Filmen 50 Prozent der Verkäufe aus.

Der Amateurfilm ist heute fest im Griff des digitalen Videos. Wer filmt heute noch mit Super 8?
Die Frage ist nicht leicht zu beantworten. Die beiden Filmschulen in Genf und Lausanne beziehen regelmässig Filme. Natürlich gibt auch heute noch Amateure, die auf Super 8 filmen. Ein wichtiger Abnehmer ist auch das Labor Graficolor in Bern, das sich auch um die Filmentwicklung kümmert. Da kann man übrigens auch den Super-8-Film 100D von Wittner kaufen. Allerdings zu einem etwas höheren Preis.

Sie hatte sich persönlich dafür eingesetzt, dass auch in der Schweiz ein Labor für die Entwicklung des 64T zu Verfügung steht.
Ja, es war mir ein grosses Anliegen, das es auch in der Schweiz ein Entwicklungslabor für den 64T gibt. Die Filme zur Entwicklung ins Ausland zu senden ist aufwändig. Das kleine Labor Graficolor in Bern hat dadurch zusätzliche Aufträge und macht die Arbeit zur grossen Zufriedenheit der Kunden.

Wird Super 8 auch in Profikreisen verwendet? Für Werbung oder dergleichen?
Im Moment werden Super 8 Filme in Profikreisen wenig verwendet. Interessant ist aber dennoch: Immer wenn ich irgendwo auf Super 8 zu sprechen kommen, werden viele sofort hellhörig. Super 8 geniesst überall eine grosse Sympathie.


Hier werden Super-8-Filme entwickelt:

Graficolor, Gewerbestrasse 22, 3012 Bern, www.graficolor.ch
Ektachrome 64T und Wittnerchrome 100D

Dwayne's Photo, 415 S. 32nd Street, Parsons, KS, 67357, USA, www.k14movies.com
Kodachrome 40

Andecfilm, Hasenheide 9, 10967 Berlin, www.andecfilm.de
Farbumkehr: Ektachrome 64T und Wittnerchrome 100D
Schwarweiss: Kodak TriX und PusX
Farbnegativ: Kodak Vision 2 200T und 500T



Basteln mit Super 8:
Ausschneiden, falten und zusammenkleben, fertig ist die Souvenier-K40-Super-8-Kassette.
Hier kann der K40-Bastelbogen heruntergeladen werden.