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15.04.2017

1’000 Schmalfilme im Netz

Global super 8 Day 2015
Crowdfunding-Projekt: Das Super-8-Webportal.

Mit Super 8 solls gleich weitergehen, mit neuen Kameras und einem Kodak-Farbfilm. Jetzt will Fachautor Jürgen Lossau mit einem modernen Webportal das Revival des Retro-Films beschleunigen.

Super 8? War da was? Die letzten Kameras und Projektoren wurden bis 1984 gefertigt. Trotzdem hält ein weltweiter Kreis an Enthusiasten der Dreiminuten-Filmkassette die Treue. Und nun das: Kodak kündigte 2016 die Fertigung einer neuen Super-8-Kamera mit elektronischem Display und digitalem Sound an. In den nächsten Monaten ist sie marktreif. Auch der vor fünf Jahren eingestellte Ektachrome-Farbumkehrfilm wird ab Ende 2017 wieder zu haben sein. «Nun fehlt nur noch eine gute und moderne Informationsquelle für alle bisherigen und neuen Schmalfilmer», sagt Fachautor Jürgen Lossau. Bis 2013 war er Chefredakteur der Magazine «schmalfilm» und «small format». Jetzt soll das Super 8 Web Portal entstehen – eine internationale Plattform in englischer Sprache, auf der 1’000 Schmalfilme gezeigt werden und die täglich neue Artikel rund ums Filmen veröffentlicht. Für dieses Projekt wird zurzeit im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter geworben. Wenn genügend Geld zusammen kommt, soll es das flimmernde Web Portal mit Forum auch in deutscher Sprache geben.

Super 8 ist kein günstiges Hobby. Die neue Kamera von Kodak wird mit allen Features rund 2’000 Euro kosten. Natürlich lässt sich auch heute noch mit Kameras aus den 1970er-Jahren drehen, die es beim Online-Auktionshaus eBay ab fünf Euro gibt. Ein Farbfilm mit Entwicklung liegt heute bei rund 50 Euro. «Das Super-8-Filmbild ist einmalig», sagt Lossau. «Echtes Filmkorn webt einen Teppich aus Bildpunkten, was den Charme des Formats ausmacht.» Musikclips, Werbespots, Dokus, Spiel- oder Trickfilme und Familienerinnerungen entstehen deswegen immer noch auf Super 8 – auch weil Film als besonders langlebig gilt.

Datenbank für Kameras und Projektoren
Im neuen Webportal für Super 8 soll es neben News und Berichten über Filmer sowie ihre Projekte auch eine Datenbank geben. Darin werden alle jemals gebauten Filmkameras und Projektoren mit technischen Angaben und Fotos enthalten sein. Über 7’000 Modelle sind zwischen 1965 und 1984 gefertigt worden. «Vor zwei Jahren kam dann die dänische Logmar Super-8-Kamera heraus. Jetzt folgt Kodak und in der Schweiz werkelt auch jemand an einem Prototypen. Es ist wieder Leben in der Bude», lacht Lossau. Im Super 8 Web Portal gibt es deshalb auch einen Service-Bereich, in dem sämtliche Werkstätten und Laborbetriebe weltweit aufgelistet sein werden. Auch ein Verzeichnis der Wettbewerbe, die Super-8-Filme annehmen, gehört dazu. Workshops zeigen in kleinen Filmen die Handhabung von Kameras, die Selbstentwicklung und einfache Reparaturen. Höhepunkt der Webseite ist der Bereich «Super8Show». Hier werden insgesamt 1’000 neue und alte Schmalfilme präsentiert. Dabei handelt es sich vielfach um Siegerbeiträge aus Wettbewerben des Bundes Deutscher Film Autoren (BDFA) oder des NOMOS Super-8-Filmpreises. Auch Gewinnerinnen und Gewinner des englischen «straight 8»-Wettbewerbs werden dabei sein, bei dem die Filmkassette ungeschnitten eingereicht werden muss. Nutzer des Super 8 Web Portals können natürlich auch ihre eigenen Werke hoch laden.

Auch Super-8-Freak und Mitautor Friedemann Wachsmuth hofft, dass sich über das neue Webportal eine weltweite Fangemeinde finden wird: «Heute, wo es kaum noch Clubs oder Vereine gibt, tritt das Internet an die Stelle. Hier können alle ihre Filme zeigen, Erfahrungen austauschen, voneinander lernen. Jetzt findet man sein Publikum.»

Ein 45-Euro-Abo für Super-8-Freaks
Das Super 8 Web Portal wird von vielen früheren Autoren und Übersetzern der Magazine «schmalfilm» und «small format» redaktionell betreut. Für den technischen Aufbau der Plattform, das Design und die Digitalisierung der Filme hat Initiator Jürgen Lossau ein Crowdfunding-Projekt bei Kickstarter ins Leben gerufen. Dort kann man sich für 45 Euro ein Jahr lang einen Zugang zu allen Angeboten sichern. Wenn die Webseite online geht, soll es nur wenige Informationen geben, die frei zugänglich bleiben. Die meisten Bereiche sind nur über ein Abo aufrufbar – so wie früher bei den gedruckten Magazinen. «Dafür ist das Angebot jetzt nur noch halb so teuer», freut sich Lossau, der eine echte Community aufbauen will. Doch zunächst hofft er darauf, dass sich genügend Fans des kleinen Filmformats finden, die mitmachen wollen: «Damit Super 8 noch lange am Leben und bezahlbar bleibt.»

www.kickstarter.com/projects/1112932678/the-super-8-web-portal



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Jürgen Lossau (l.), Initiator des S8-Webportals, mit der neuen Kodak Super 8 Filmkamera, Friedemann Wachsmuth, Super-8-Filmer und Autor beim geplanten Projekt.

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