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  19.2.2002
9,5mm – das erste Amateur-Filmformat (Teil 7)


Pathé bringt ein neues Format: 9,5 mm

Von Ernst Wolfer

Nach dem Fiasko mit Pathé-KOK und seinem 28mm-Band überdachte Charles Pathé das Thema grundsätzlich. Er fand, dass vier Voraussetzungen nötig seien für einen breiten Erfolg im Amateursektor:

1. Der Film muss unbrennbar sein
Die gefährliche Nitrozellulose, die explosionsartig abbrennen konnte, hatte immer wieder Brandfälle verursacht. Pathé hatte daher schon mit KOK-28-mm ein «non-flam»-Material eingesetzt. Für den Amateurfilm war ein unbrennbares Material eine absolute Voraussetzung.

2. Es muss ein Umkehrfilm sein
Die Filmerei mit Negativmaterial und anschliessendem Umkopieren auf Positiv war ein recht umständliches Verfahren, das man dem Amateur ersparen sollte.

3. Das Filmmaterial muss billig sein
Das System KOK war nicht zuletzt daran gescheitert, dass der 28mm-Film nicht viel billiger war als der Normalfilm (35-mm). Pathé schuf nun ein neues Format: 9,5 mm. Er nahm den 35-mm-Kinofilm, schnitt beidseits die Perforationen ab und teilte das Band in drei Teile. So kam er auf das etwas merkwürdige Mass von 9,5-mm. Um das Filmbildchen nun nicht wieder durch eine Randperforation einzuschränken, wählte er eine Mittelperformation zwischen den Bildchen, so wie dies Ernemann mit 17,5-mm schon getan hatte - und was Lizenzgebühren an Ernemann zur Folge hatte.

Als ich dies in der Literatur gelesen hatte, nahm ich einen 35-mm-Streifen aus meinem Fotoarchiv und mass nach. Zwischen den Perforationen blieben statt (3x9,5) 28,5-mm nur 25-mm. Das Vorgehen von Pathé schien mir also unmöglich, was ich auch schriftlich festhielt. Doch dann erhielt ich von einem Filmfreund aus Deutschland einen Original-Filmstreifen von 35-mm mit den drei Bahnen von 9,5-mm. Nun wurde mein Irrtum klar: Bei dem damals verwendeten Band waren die Perforationen kleiner und näher am Rand, so dass dazwischen tatsächlich Platz war für 30 mm. Auf den drei 9,5-mm-Bahnen waren dreimal die identischen Bildchen zu sehen: Pathé kopierte bekannte Kinofilme dreifach auf 9,5-mm und konnte so Kauf- oder Leihfilme günstig anbieten.

4. Die Apparate müssen preiswert sein
Pathé schuf preisgünstigen Apparate: Der Projektor kostete 95 Franken, die Kamera 100 Franken. Das neue System wurde Pathé-Baby genannt.


Die Fachleute belächelten die Produkte als «Spielzeuge». Aber die Amateure und die, die es werden wollten, liessen sich nicht beirren. Sie stürmten die Läden: 350'000 Projektoren waren in kurzer Zeit verkauft, 30'000 Kameras gingen im ersten Jahr über den Ladentisch. Wenn man bedenkt, dass bisherige «Amateurapparate» höchstens in Stückzahlen von einigen Dutzend hergestellt worden waren, so lässt sich der Erfolg von Pathé erahnen. (Fortsetzung folgt)


Beim damaligen 35-mm-Film waren die Perforationslöcher kleiner und mehr am Rand. So blieb dazwischen Platz für 3 Bahnen zu 9,5 mm.


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