Super8site – Das Online Fanzine für Super 8 Fans Super8site – Das Online Fanzine für Super 8 Fans


  14.1.2002
9,5mm – das erste Amateur-Filmformat (Teil 6
)

Ein Filmpionier – Charles Pathé Teil 2

Von Ernst Wolfer

Die Firma «Pathé Frères» in Paris hatte unter Leitung von Charles Pathé einen enormen Aufschwung genommen, um 1910 war sie mit 6500 Mitarbeitern die grösste Filmorganisation ihrer Zeit. Das Monopol von Eastman/Kodak auf Rohfilmmaterial war gebrochen worden, und im gleichen Jahr hatte die Gesellschaft mit Erfolg die Produktion von Kameras und Projektoren (35 mm) begonnen. Doch der Erste Weltkrieg (1914–1918) unterbrach den Aufstieg.

1911 präsentierte Pathé den Projektor KOK, der mit einem 28-mm-Film arbeitete. (Der Name KOK dürfte die phonetische Wiedergabe von Coque = frz. Hahn sei, denn der gallische Hahn gehörte zum Firmensignet von Pathé. Das Filmmaterial war aus unbrennbarer Azetatzellulose. Um die Verwendung des (brennbaren) Normalfilms zu verunmöglichen, war die Breite von 28 mm gewählt worden. Gekurbelt wurde von Hand. Gleichzeitig wurde ein Dynamo angetrieben, der für das nötige Licht sorgte. Es gab auch eine KOK-Kamera. Aber das Material war nicht viel billiger als 35-mm, so blieb letztlich der Erfolg aus. - Über den ab 1922 nun folgenden Welterfolg von 9,5 mm soll später berichtet werden.

Pathé Rural
1927 lancierte Pathé mit «Pathé Rural» ein neues Format für die Kinos. Der verwendete 17,5-mm-Film (halbierter Normalfilm) war allerdings nicht so neu, auch nicht die Mittelperforation, die Ernemann schon 1902 verwendet hatte. Neu war der Einsatz von Sicherheitsfilm (non-flam) und eine grosse aufgezogene Vertriebsorganisation. Wie der Name besagt (rural frz. = ländlich), wurden auf dem Land Kinos eingerichtet, die mit diesem kostengünstigen Halbformat beliefert wurden. Fast 5000 Kinos auf dem Land benutzten das Material. Der Versuch, mit «abgemagerten» Rural-Geräten auch die Amateure zu gewinnen, muss wohl als Versuch gewertet werden, eine «zweite Front» gegen das aus Amerika einströmende 16-mm-Format zu errichten. Ausserhalb Frankreichs konnte sich Rural nicht durchsetzen. Im Zweiten Weltkrieg (1939–45) mussten die 17,5-mm-Projektoren auf Befehl der Okkupationsmacht auf 16-mm umgebaut werden. Damit war mit der Variante 17,5-mm endgültig Schluss.

Amerikanische Kinofilme eroberten zusehends den Markt. Unter diesem Druck musste Pathé redimensionieren. 1926 kaufte Kodak die Rohfilmfabrik, 1939 brach die Gesellschaft zusammen. 1944 gründete eine Nachfolgergruppe die Nouvelle Pathé-Cinéma, die sich auch heute noch dem Filmverleih widmet.

Charles Pathé zog sich 1931, im Alter von 68 Jahren, auf seine Besitzung in Monte Carlo zurück. Hier verstarb er am Weihnachtstag 1957, an seinem 94. Geburtstag. Mit ihm hatte ein grosser Filmpionier diese Welt verlassen. (Fortsetzung folgt)


Die Kamera für den Amateur: KOK für 28-mm-Film.


» Zur Übersicht