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  27.02.2004
9,5 mm – das erste Amateur-Filmformat (Teil 22)


9,5 mm heute

Im letzten Teil seiner 22-teiligen Serie «9,5 mm – das erste Amateurformat» wirft der Autor und einstige 9,5-mm-Filmer Ernst Wolfer noch einen Bilck darauf, was sich heute noch in Sachen 9,5 mm weltweit tut.

Von Ernst Wolfer

Als an der repräsentativen Foto- und Kinoausstellung, der «Photokina» in Köln im Jahre 1986 keine neuen Super-8-Geräte mehr gezeigt wurden, war eines klar: «Von Seiten der Industrie ist das 8-mm-Filmformat beerdigt worden», wie ein Kommentator schrieb. Wir hatten das ja schon einmal erlebt: Als 1965 das neue Super-8-Format auf dem Markt kam, wurde jede Produktion von Normal-8-Geräten sofort eingestellt.
20 Millionen Filmer mussten spätestens dann auf das neue Format umstellen, als ihre Kameras den Dienst versagt hatten.

Hier kann dem Vorstand des Dachverbandes BSFA ein Vorwurf nicht erspart werden. Er hätte seine Mitglieder warnen sollen, etwa mit folgendem Schreiben: «Es muss damit gerechnet werden, dass die Produktion von Super-8-Geräten in nächster Zeit eingestellt wird. Wer weiterhin mit diesem Format arbeiten will – Filme wird es noch lange geben – der überprüfe seine Apparate. Kameras und Projektoren, die älter als 10 Jahre sind, könnten bald einmal «aussteigen». Ist eine gründliche Revision angezeigt oder vielleicht besser die Anschaffung einer Zweitapparatur? Auch das Zubehör wie Klebepresse und Betrachter muss weiterhin funktionieren. Diese Fragen sind jetzt abzuklären. Man handle, solange der Markt noch eine gewisse Auswahl anbietet.»

Von 9,5 mm sprach niemand, denn dieses Format war ja schon lange tot, angeblich. Aber wie sagt das Sprichwort: «Wer oft totgesagt wird, der lebt länger.» Das trifft genau auf das «Format der goldenen Mitte» zu. Natürlich hatte ihm Super 8 mächtig zugesetzt. Man muss klar erkennen, dass Super 8 nicht lediglich ein etwas grösseres Filmbildchen als Normal-8-mm vorzuweisen hatte. Super 8 war eine technische Revolution sondergleichen. Womit musste man sich beim Filmen bis anhin nicht alles abmühen: Umständliches Einstellen von Entfernung und Blende, Ausschnitt wählen durch Verändern der Kameraentfernung, bei Nahaufnahmen Parallaxe beachten, Normalobjektiv ausschrauben und durch das Tele- oder den Weitwinkel-Objektiv ersetzen, Aufziehen des Federwerkmotors nicht vergessen, sonst ist es mitten in der schönsten Szene plötzlich Schluss usw.

Als Super 8 aufkam, war auf einmal alles wie ein Kinderspiel: Motor mit Batterieantrieb, Scharfeinstellung auf die Mattscheibe oder automatisch, keine Parallaxe-Fehler dank Reflexsucher, kein Objektiv-Wechsel dank Zoom, Makro eingebaut, Zeitimpuls, Fernauslösung und was der technischen Gags noch mehr sind. Liveton auf Wunsch. Kassette kann blitzschnell gewechselt werden. Mein Herz, was willst Du mehr?

Verständlich, dass viele 9,5er schwach wurden und zu Super-8 wechselten. Um 1970 schrumpfte die Zahl der Filmer, die noch mit 9,5 mm arbeitete, stark. Um so erstaunlicher ist es festzustellen, dass 9,5 mm auch heute noch lebt, wenn auch nur in kleinen Zirkeln. Im Juni 1978 fand in Paris ein viertätiges 9,5-Filmfestival statt, an dem 25 Filme in 4 Sprachen teilnahmen. Die Berner 9,5er waren vertreten, ihr Mitglied K. Flückiger erreichte den 1. Preis. Aber auch aus Spanien, Luxemburg, Kanada, Dänemark, England, Deutschland, Österreich und den Niederlanden wird von 9,5-Aktivitäten berichtet.
1999 fand ein Festival in Edinburgh statt, im Jahre 2000 in Spanien und in Holland, an dem Paul Goy vom Berner Club den 2. Preis errang. 2001 in Speyer (D) mit Teilnehmern aus 6 Nationen (Holland, Grossbritannien, der Schweiz, Deutschland, Österreich und Frankreich). 2002 gab es Festivals in Frankreich und Spanien, 2003 in England und in den USA(!). Apparate kommen aus Russland und Tschechien, und in Paris gibt es ein Labor, das drei verschiedene 16-mm-Fuji-Filme auf 9,5 mm umschneidet.


Ein Blick auf die andern Formate
Für Normal-8 gibt es noch Filmmaterial von Kleinfirmen, Apparate werden schon lange nicht mehr hergestellt. 16 mm kann sich als Substandard-Format noch einigermassen über Wasser halten. Kameras werden noch bei BOLEX Yverdon hergestellt. Kodak liefert weiterhin Filmmaterial.
Auch bei Super 8 liefert Kodak noch Filmmaterial. Gelegentlich auftauchende Gerüchte über die Einstellung der Produktion werden durch die Praxis widerlegt. Apparate besorgt man sich auf dem immer noch gut dotierten Occassionenmark. Und ganz erstaunlich ist die Tatsache, dass da und dort sich junge Filmer nicht dem boomenden Video zuwenden, sondern bewusst Super 8 wählen, so wie die Betreiber dieser Homepage. Auch auf professionellem Gebiet macht man sich Gedanken über die Haltbarkeit von elektro-magnetischen oder elektronischen Aufzeichnungen und freut sich zu hören, dass Kodak für den Chemiefilm eine Haltbarkeit von einem halben Jahrtausend verspricht. So werden wir also auch mindestens in naher Zukunft damit rechnen können, dass der Schmalfilm, in welchem Format auch immer, weiterleben wird.


ENDE
Ernst Wolfer, Wädenswil, September 2003

P.S. Es ist geplant, die hier vorliegende Serie in Form einer Broschüre herauszugeben. Interessenten melden sich beim Verfasser: Ernst Wolfer, Burgstr.8, 8820 Wädenswil, Tel. 01 780 48 37.
Links und Adressen

Frankreich:
http://pierreg.free.fr/cine95
GB: www.pathescope.freeserve.co.uk
USA:
www.9-5USA.org


Ciné Dia
55, avenue Joffre
93800 Epinay-sur-Seine
Tél : ++33 1 48 41 36 25
Fax : ++33 1 48 41 38 03

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