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  29.09.2003
9,5 mm – das erste Amateur-Filmformat (Teil 19)

Ein Blick zurück: Der «Kleinfilm-Club Zürich»

Der begeistere, junge Schmalfilmer Hans E. Wildermuth setzt in den frühen Dreissigerjahren alles daran, den ersten 9,5-mm-Filmclub aus der Taufe zu heben. Der «Kleinfilm-Club Zürich» war ein wichtiger Grundstein für spätere Amateutrfilmclubs in Zürich.

Von Ernst Wolfer

Am 8. März 1934 haben acht tatenfreudige und begeisterte Schmalfilmer in Zürich den Grundstein zu unserm Club gelegt. Ein Blick zurück: Anfang der Dreissigerjahre «vermehrten» sich die Schmalfilmer «wie Sand am Meer». Noch war das 8-mm-Format sozusagen unbekannt, und nur der 9,5- und der 16-mm-Film fanden dazumal grosse Verbreitung. Besonders das ideale 9,5-mm-Format (Pathé-Film) erfreute sich grosser Beliebtheit, während der klassische 16-mm-Film nur in bessergestellten Kreisen Eingang fand. All diese Amateure waren damals noch nicht in Clubs zusammengefasst, und jeder filmte auf eigene Faust munter drauflos, bis im Februar 1933 auf Anlass einiger Fotohändler die «Vereinigung Zürcher Film-Amateure» (VZFA) ins Leben gerufen wurde. Die Gründung eines Filmclubs löste natürlich bei vielen Amateuren grosse Freude aus. Doch als sich die 9,5er bei der Clubleitung über die Aufnahmebedingungen erkundigten, mussten sie zu ihrer Enttäuschung erfahren, dass nur 16-mm-Filmer in Frage kämen. Das ideale 9,5-mm-Format wurde von den massgebenden und nur am 16-mm-Format interessierten Herren rundweg abgelehnt.

So erging es damals auch einem 21-jährigen, begeisterten 9,5-mm-Schmalfilmer. In jugendlichem Tatendrang dachte er daran, die 9,5er in einem unabhängigen Club zusammenzufassen. Doch wie sollte ein junger Filmer seinesgleichen aufspüren? Kurz entschlossen richtete Hans E. Wildermuth, so hiess der junge Mann, ein Schreiben an die Firma Pathé-Baby SA in Genf und bat um Adressen. Aber auch bei Fotohändlern sprach Wildermuth vor. Schliesslich waren 50 Adressen beisammen. Am 3. November 1933 fand im Restaurant «Hegibach» eine erste Zusammenkunft mit Filmvorführungen statt. Diese fiel für den Initianten enttäuschend aus, denn nur 10 Interessierte waren erschienen. Wildermuth begab sich erneut auf Adressenjagd und veröffentlichte im «Tagblatt der Stadt Zürich» ein grosses Inserat. Aber die zweite Zusammenkunft vom 1. Februar 1934 endete wiederum mit einem Misserfolg. Noch einmal setzte Hans Wildermuth alle Hebel in Bewegung, und diesmal glückte es: Am 8. März 1934 entstand der «Kleinfilm-Club Zürich». Von den 15 Anwesenden unterschrieben acht die Anmeldung, zwei mehr als der Initiant mindestens gewünscht hatte.

Jahre der Entwicklung
Der «Kleinfilm-Club» war geboren, lebte und wuchs erst langsam und bedächtig. Im April 1934 wurde die Clubtätigkeit mit je einer Veranstaltung pro Monat aufgenommen. Die Mitgliederzahl wuchs und betrug Ende Jahr bereits 21. Am 11. April 1935 trat der Club an die Öffentlichkeit mit Projektionen im grossen Saal des Restaurants zum «Weissen Wind». Der Besuch von 150 Personen bedeutete einen grossen Erfolg. Schon im Herbst wurden auch «andersformatige» Mitglieder aufgenommen. Der 8-mm-Film war mächtig aufgekommen, und so erachtete es der Vorstand als seine Pflicht, mit der Entwicklung auf dem Gebiet des Schmalfilmwesens Schritt zu halten und daher Anhänger aller drei Formate aufzunehmen. Das Jahr 1936 brachte einige Probleme. Der Besuch der Veranstaltungen nahm ab, eine allgemeine Interesselosigkeit machte sich bemerkbar. Im nächsten Frühling machte uns der Präsident des VZFA (Verein Zürcher Film-Amateure), den Vorschlag, unsern Club aufzulösen und sich zu vorteilhaften Bedingungen dem VZFA anzuschliessen. Diese Ansinnen rief bei unseren Mitgliedern eine wahre Palastrevolution hervor. Bei einer schriftlichen Umfrage sprachen sich 70 Prozent für ein Weiterbestehen des Clubs aus, was denn auch an der Generalversammlung vom 10. Juni 1937 mit 90 Prozent bestätigt wurde. Nun stieg die Kurve des Kleinfilm-Club Zürich steil an. Pro Monat gab es zwei Veranstaltungen, und ein Stammtisch wurde eingerichtet. 1938 war zweifellos ein Glanzjahr. Interessante Filmabende und Vorträge wechselten ab. Ein Mitteilungsblatt, «Die Filmspule», wurde herausgegeben. Einer öffentlichen Schau von Film-Apparaten war ein grosser Erfolg beschieden.

Die Kriegsjahre
Der Clubbetrieb liess sich im «Landijahr» 1939 (Landesausstellung in Zürich) gut an. Doch der Kriegsausbruch im September machte sich bei uns bemerkbar. Trotz zahlreichen Schwierigkeiten konnte der Betrieb aufrecht erhalten werden. Die Mitgliederzahl stieg erstaunlicherweise weiter an, und so wurden am 1. März 1943 rund 70 Mitglieder gezählt. Die Hälfte filmte mit Normal-8-mm, ein Drittel mit 9,5 mm und der Rest mit 16 mm.
«Noch ist der Krieg nicht zu Ende. Niemand weiss, was uns Schweizern die Zukunft noch bringen mag. Aber wir wollen voller Zuversicht vorwärts schauen, einmal werden wohl die Kanonen schweigen und der lang ersehnte Frieden Einkehr halten. Neues Leben wird aus den Ruinen blühen (Tell), und auch wir Amateure werden dann voller Tatendrang unsere verstaubte Kamera aus dem Schrank hervorholen und wieder filmen, filmen nach Herzenslust, ohne jede Einschränkung, ohne Zensur oder sonstige Unannehmlichkeiten. Oh, dass dieser Tag schon morgen käme!»
H.E. Wildermuth, 1944

Anmerkung d. Red.: Auf Anregung von Martin Möckli, der den Club von 1947–1951 präsidierte, wurde der Name in den heute noch gültigen umgewandelt: Amateur-Filmclub Zürich (AFZ).

Nach H.E. Wildermuth: 10 Jahre Kleinfilm-Club Zürich (1934–1944)

(Fortsetzung folgt)

Portrait von Hans E. Wildermuth aus der 50-Jahre-Jubiläumsschrift des AFZ.


Der «Kleinfilm-Club Zürich» nennt sich heute Amateur-Film & Video Club Zürich (AFZ).

Link:
www.videoclubzuerich.ch


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