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  11.07.2003
9,5 mm – das erste Amateur-Filmformat (Teil 18)


Die 9,5-mm-Film-Gruppe «Filmclub Züri-Leu»

In Zürich wird im Mai 1960 die Film-Gruppe «9,5-mm-Filmclub Zürich» gegründet, die Jahre später in «Filmclub Züri-Leu» umbenannt werden soll. Der Filmklub findet schnell neue Mitglieder, und diese beginnen anspruchsvolle Gemeinschaftsfilme zu drehen.

Von Ernst Wolfer

In Zürich gab es eine sehr aktive 9,5er-Film-Gruppe. Die Mitglieder begannen anspruchsvolle Gemeinschaftsfilme zu drehen und verwendeten dazu zunehmend nebst 9,5 mm auch das 16-mm-Format. Gegen diese «Formatüberfremdung» wandten sich eingefleischte 9,5er unter der Leitung von Walter Leopold. Am 20. Mai 1960 gründeten diese «reinen 9,5er» den «9,5-mm-Filmclub Zürich». Die Trennung von der alten Gruppe geschah durchaus in Frieden. Die dort verbliebenen Leute verzichteten auf den Titel «9,5 mm» und nannten sich fortan Polygon-Filmgruppe.

Der junge Club war sehr aktiv, veranstaltete nebst den monatlichen Zusammenkünften auch öffentliche Grossprojektionen. Der Präsident W. Leopold knüpfte vielseitige Beziehungen zu ausländischen 9,5-mm-Clubs. Reisen nach Deutschland, Frankreich und England festigten diese internationalen Bindungen. Dank den verschiedenen Aktivitäten wuchs die Mitgliederzahl rasch an. Aus dem Dutzend Unentwegter, die den Club gegründet hatten, wurde ein Verein mit einer Mitgliederzahl von einem halben Hundert.

Das engagierte Eintreten des Präsidenten für 9,5 mm zeigte aber auch seine Schattenseiten. Manche Mitglieder fühlten sich durch die drängenden Forderungen nach kämpferischem Einsatz für 9,5 mm überfordert. Einige ungeschickte Voten brachten den schwelenden Konflikt zum Ausbruch, schliesslich trat W. Leopold 1963 als Präsident zurück. 1965 schloss sich der Club dem BSFA an, was als «Ausbruch aus der Isolation» bezeichnet wurde. Eine andere, in einem Protokoll nachzulesende Meinung war: «Das 1966 neu eingeführte Super-8-Format wird weder Normal-8 noch 9,5 mm verdrängen.» Dies traf, wie die Geschichte zeigt, nicht ganz zu: Normal-8 ist von der Bühne verschwunden, 9,5mm wird aber immer noch eingesetzt, wenn auch in kleinen Kreisen.

Der Bericht der technischen Equippe von 1966 mag auch für andere Jahre und andere Clubs gelten: An 11 Clubabenden wurden 6000 Meter Film gezeigt, 16 Mitglieder stellten Filme mit einer durchschnittlichen Länge von total 220 Meter. Zwei Drittel der Streifen waren farbig. Die Clubversammlungen wurden durchschnittlich von 25 Personen besucht, die Jahresschlussfeier zählte 42 Anwesende.

Der Beitritt zum BSFA hatte auch finanzielle Konsequenzen. Drei Viertel des Jahresbeitrags von Fr. 15.- mussten dorthin abgeliefert werden. Dafür gab es das Abo des «Schweizer Schmalfilm» und der Suisa-Beitrag war dabei. Das war ein wichtiger Grund, sich unter den Schirm des BSFA zu stellen. Die Suisa ist die Gesellschaft für Urheberrechte an Tonträgern. Wer Musik von Radio, Schallplatte oder Tonband für die Vertonung seiner Filme verwendet, der darf diese nur im eigenen Heim einsetzen. Jede öffentliche Vorführung ist gebührenpflichtig. Dank einem Abkommen zwischen BSFA und Suisa dürfen die Mitglieder ihre Filme auch öffentlich vorführen. Das könnte auch heute für machen Videofilmer ein Argument für einen Beitritt in einen Club sein.

Da immer mehr «andersformatige» Filmer mitmachten, wurde 1982 beschlossen, den Namen im «Filmclub Züri-Leu» zu ändern. 1993 zeigte die Jahresstatistik folgende vorgeführten Formate: 17 Filme in Super-8, 2 Filme in Nomal-8, 6 Filme in 16 mm und 2 Videofilme. 1994 wurde beschlossen, den Club auf Ende Jahr aufzulösen, nicht mangels Mitgliedern, es gab immer noch 27, sondern mangels aktiver Filmer. (Fortsetzung folgt)

Ernst Wolfer: 15 Jahre 9,5-mm-Filmclub Zürich (1975); 25 Jahre Filmclub Züri-Leu (1985).

Das Logo des «Filmclub Züri-Leu».

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