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  06.06.2003
9,5 mm – das erste Amateur-Filmformat (Teil 17)


Das Filmformat der goldenen Mitte

Während der goldenen Fünzigerjahre erhält die Popularität des 9,5-mm-Formats mächtig Aufwind. Gleich im mehreren Schweizer Städten werden 9,5-mm-Filmgruppen gegründet.

Von Ernst Wolfer

Die 9,5-mm-Filmgruppen
Ich war erstaunt und erfreut zugleich, als ich sah, wie rasch sich in einigen Städten 9,5-mm-Filmgruppen bildeten. Ich wusste nicht, dass ich einfach das Erbe von Martin Möckli antrat. Erst Jahre später habe ich von seinen beachtlichen Arbeiten vor dem Krieg für unser Format erfahren. So wurde ich sein Nachfolger, ohne es zu wissen. Im Gegensatz zu ihm wollte ich aber keine eigenen Filmclubs ausserhalb des BSFA. Diese machtvolle gesamtschweizerische Vereinigung der Filmamateure zu konkurrenzieren, schien mir der falsche Weg. Innerhalb der Clubs sollten sich aber die 9,5er zu Arbeitsgruppen zusammenschliessen und sich so für das «Format der goldenen Mitte» einsetzen. Nebst den schon von Möckli «beackerten» Städten Zürich, St. Gallen, Schaffhausen und Frauenfeld kamen weitere Städte dazu: Basel, Bern, Schwyz, Winterthur und Zug. Insgesamt waren es nun neun Orte. Mit den Leitern dieser Gruppen gab es einen intensiven Kontakt direkt, an gemeinsamen Arbeitstagungen und natürlich durch die Rubrik «Rund um den 9,5-mm-Film» im «Schweizer Schmalfilm». Auf Jahresende wurde im Sinne eines Präsidialberichts über die Tätigkeit im abgelaufenen Jahr berichtet. Dass sich in Bern und Zürich dann doch noch eigene 9,5-mm-Filmclubs bildeten (die aber Mitglied des BSFA wurden) ist lokal begründet.

Die goldenen Fünzigerjahre
Die Fünfziger- und Sechzigerjahre waren die grosse Zeit für die 9,5-mm-Bewegung. Immer mehr Firmen produzierten Kameras, Projektoren und Rohfilme für 9,5 mm. Die Filmgruppen waren aktiv, wir veranstalteten Arbeitstagungen und Grossprojektionen. In jeder Stadt suchten wir einen Fotohändler zu gewinnen, der als 9,5-mm-Spezialist diese Produkte anbot. 1951 wurde in St. Gallen in Zusammenarbeit mit einem Fotogeschäft die erste öffentliche Grossprojektion und Apparateschau durchgeführt. So wurden viele Interessenten auf unser Format aufmerksam. Eine Grossprojektion in Bern fand 330 Personen in einem Kino, wo wir dank lichtstarken Projektoren unsere Filme direkt auf der Kinoleinwand zeigten. Das anschliessende Nachtessen vereinigte 80 engagierte 9,5er zu einem gemütlichen Beisammensein. Auf einer Werbeschrift fassten wir die Vorteile so zusammen: «9,5 mm ist das ideale Format, denn es vereinigt die technischen Vorzüge des 16-mm-Bandes mit den finanziellen Vorteilen von 8 mm. 9,5mm ist ebenso geeignet für den Sonntagsfilmer wie für ernsthaftes Amateurschaffen.» In einer Broschüre «Warum 9,5 mm?» wurden vier «Filmbriefe an einen Anfänger» zusammenfasst. Darin setzte ich mich mit den angeblichen Nachteilen des Formates auseinander und zeigte die unbestreitbaren Vorzüge von 9,5 mm auf. Die durch Inserate finanzierte Broschüre erlebte zwei Auflagen, sie wurde gratis abgegebene und lag auch bei unseren Vertrauenshändlern auf. In den 50er-Jahren konnte man acht solche Veranstaltungen zählen, die 60er dürften ein ähnliches Resultat aufweisen.
(Fortsetzung folgt)

Grossprojektion 1959 in Bern: Herr Tettamanti, Direktor Pathé Genf (links), Frau Barth, Mitinhaberin Pathé Genf und Herr Blauer, Präsident 9,5-Filmclub Bern.

Grossandrang bei der Apparateausstellung anlässlich der Grossprojektion im Kino Wellenberg in Zürich (Dezember 1961).

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