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  20.01.2003
9,5 mm – das erste Amateur-Filmformat (Teil 14)


Ein neuer Anfang

Anfang der Fünfzigerjahre droht 9,5 mm erneut ins Hintertreffen zu geraten. 8 mm wuchs mit aller Macht, und die Industrie setzte sich kaum mehr für das 9,5-mm-Filmformat ein. Da mussten engagierte 9,5-Filmerinnen und –Filmer selbst für ihr Format die Initiative ergreifen.

Von Ernst Wolfer

Meinen ersten Film drehte ich mit 18 Jahren (1). Ein Bekannter musste als Hauptmann seine Kompanie Luftschutzsoldaten zur Vereidigung führen. Dieser Anlass sollte filmisch festgehalten werden. Da er selber ja die Truppe kommandieren musste, bat er mich, den Film aufzunehmen. Er gab mir seine Pathé H-Kamera, 9,5 mm, und den einzigen Rat: «Alles bewegt sich, nur die Kamera nicht.» Das war im Jahre 1941. Wenn ich heute auf Reisen beobachte, wie Filmer ihre Videocams herumschwenken, dann denke ich, die alte Merkregel sollte auch heute noch propagiert werden. Wobei Ausnahmen ja immer zugelassen sind. Ich drehte also den Film zur Zufriedenheit meines Auftraggebers. Und da hatte mich der Bazillus filmensis gepackt und liess mich nicht mehr los.

Schon bald nachdem ich eine eigene Filmausrüstung erhalten hatte, erkannte ich, dass unser Format ins Hintertreffen zu geraten drohte. 8 mm wuchs mit aller Macht, aber die Industrie machte kaum Reklame für 9,5 mm. «Da müssen sich die 9,5-mm-Amateure selber für ihr Format einsetzen», dachte ich, und beschloss ein Mitteilungsblatt herauszugeben. Das war um so notwendiger, als der Handel unserm Format gegenüber sehr negativ eingestellt war.

Aus einem Brief von 1965 geht Folgendes hervor: « Weisst Du noch, lieber Ernst Wolfer, wie Du vor 15 Jahren die Kampagne eröffnet hast zur Erhaltung des 9,5-mm-Formates?» Das Blatt «Rund um den 9,5-mm-Film» war für mich ein Retter in der Not. Ich betrat in der Stadt ein grosses Fotogeschäft. «Was wünschen Sie?» - «Ich möchte 9,5mm-Filme» - Die Verkäuferin holte den Chef und dieser erklärte mir, 9,5 mm sei nicht mehr erhältlich und werde vom Markt verschwinden. Mit «abgesägten Hosen» verliess ich den Laden. Als es in einem zweiten und dritten Geschäft nicht besser ging, war mein Entschluss gefasst. Ich wollte meine in den dreissiger Jahren erstandene Filmausrüstung verkaufen und in ein anderes Format hinüberwechseln. In diesem Moment kam Deine Schrift ins Haus und die Situation war gerettet. Ich blieb 9,5mm treu und freue mich, dass das Format wieder zu neuen Ehren gekommen ist. Übrigens: Kürzlich konnte ich feststellen, dass jenes Geschäft, von dem oben die Rede ist, sich als 9,5-mm-Spezialfirma etabliert hat.» L.L.

Fortsetzung folgt

(1) Die Beschreibung über meinen ersten Film in der Broschüre «Die 9,5-mm-Bewegung in der Schweiz» stimmt nicht. Spätere Recherchen ergaben, dass es zwei Lager am gleichen Ort gab. Erst das zweite Lager habe ich gefilmt. Das war aber nach dem Luftschutz-Film.

Titelseite des 9,5-mm-Infoblattes.


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