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  23.9.2002
9,5 mm – das erste Amateur-Filmformat (Teil 12)


Phönix aus der Asche

Fabriken während des Krieges zerstört und durch das billigere 8-mm-Format aus Amerika arg bedrängt: Gab es da noch eine Hoffnung für den 9,5-mm-Film? Pathés Einfallspotenzial war mehr als nur gefordert.

Von Ernst Wolfer
Und wie der sagenhafte Vogel Phönix sich aus seiner Asche erhob, so stand das Format sprichwörtlich aus der Asche des Krieges wieder auf. Schon zwei Jahre nach dem Krieg brachte Pathé&Mac226; Paris einen völlig neu konstruierte Apparate heraus, den Projektor PAX und die Kamera Webo-A. Der Schweizer Jean Wesbrod brachte nach dem Krieg einen von ihm geschaffenen Prototypen zu Pathé&Mac226; der dort Anklang fand. Aus einer Verkürzung des Nachnamens von Wesbrod entstand der Kameraname Webo. Statt der bisher 9 Meter enthielt die Kassette 15 Meter Film, was die Aufnahmedauer immerhin um Zweidrittel verlängerte.

Mit seinen Filmen in Kassetten, die rasch und einfach auszuwechseln waren, hatte 9,5 mm immerhin einen Trumpf gegenüber 8 mm oder Doppelacht, wie das Format, richtigerweise auch hiess: Eine Rolle mit 16-mm-Film wurde in die Kamera geladen. Der Film wurde nur auf einer Hälfte belichtet. Dann musste die Spule gewendet werden. Der Film wurde auf den 16-mm-Maschinen entwickelt (er war ja so breit) und anschliessend halbiert. Mühsames Einfädeln (bitte im Schatten!) war nicht jedermanns Sache. Verschieden Firmen wie z.B. Agfa brachten ebenfalls Film in Kassetten auf dem Markt. Aber damit war der Filmer an diese eine Marke gebunden, und so konnte sich keines der Systeme durchsetzen. Doppelacht blieb Standard.

Der Sieger heisst Kodachrome
Und als dann der Farbfilm Kodachrome auf den Markt kam, war die Sache klar. Dieses Material wird auf eine spezielle, komplizierte Art entwickelt und erzielt so eine Schärfe und Farbbrillanz, die von andern Marken nie erreicht wird, wohlverstanden auch nicht von der hauseigenen Marke Ektachrome, die eben auf einem andern Verfahren basiert. Und mit der Zeit zeigte sich auch ein weiteres hervorragendes Merkmal: die Farbkonstanz. Meine vor über 50 Jahren aufgenommenen Kodachromefilme strahlen so farbtreu und brillant von der Leinwand wie am ersten Tag. Die andern Marken hingegen ... nun darüber schweigt des Sängers Höflichkeit. Auch Fotoamateure, die auf den etwas teureren Kodachrome-Diafilm verzichteten, haben ihren Entscheid später bitter bereut. Und so hoffen wir Filmer und Diafotografen, dass uns das ausgezeichnete Kodachrome-Material noch lange erhalten bleibt.

Pathe&Mac226; halbiert = Duplex
Den Film (und damit den Preis!) halbieren, das können wir auch, dachte Pathé&Mac226; und schuf das Format Duplex. Eine Minute Film kostet weniger als eine Schachtel Zigaretten, hiess es in einer Anzeige vom Mai 1956. Doch die Idee war ein Flop, die Produktion musste bald wieder eingestellt werden.
(Fortsetzung folgt)


Kamera Pathé-Webo M (1945). Objektiv auf Dreifach-Revolverkopf, Fassungsvermögen: 30 m Filmspulen.


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