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  28.5.2002
9,5mm – das erste Amateur-Filmformat (Teil 10)


Die Konkurrenz erwacht

Von Ernst Wolfer

Dem Erfolg von Pathé konnte Kodak natürlich nicht ruhig zusehen. Schon ein Jahr danach brachte Kodak seinen «Amateurfilm» heraus, nämlich 16 mm. Das war 1923, aber nach Europa kam er erst 1925, weshalb man gelegentlich dieses Datum als «Geburtstag» lesen kann. Ab Juli 1923 erfolgte der Verkauf, der aber vorerst auf die USA beschänkt blieb. Am 1. September 1924 konnte ein erstes Inserat für das neue Kodak-Format ausgemacht werden: Kamera Ciné-Kodak mit Handkurbel und Projektor Kodascope, der eine Projektionsbreite von einem Meter ermöglichte. Eine eigentliche Verbreitung fand auf dem Kontinent aber erst ab 1925 statt.

John Capstaff, Techniker bei Kodak, hatte mit einem eigenen Format experimentiert. Er kam zum Schluss, dass 10 mm Breite das Minimum sei, um eine akzeptable Qualität zu erreichen. Für die Perforation auf beiden Seiten waren je 3 mm vorgesehen, also total 16 mm. 17,5-mm musste vermieden werden, weil sonst die Amateure den (brennbaren) 35-mm-Film halbiert hätten. Ein Non-flam-Film war für den Amateurbereich aber absolute Voraussetzung. Eine Mittelperforation schien Kodak nachteilig wegen der Gefahr von Kratzern in der Filmmitte, wenn der Greifer ausrutschte.

Dieses Argument der «Mittenkratzers» hatte man immer wieder gegen 9,5-mm angeführt. Aus 30-jähriger Erfahrung mit 9,5-mm kann ich aber sagen, dass diese Befürchtungen weitgehend unbegründet waren. Die Projektoren und die Greifersysteme wurden ja laufend verbessert, so dass ein «Ausrutscher» kaum mehr vorkam. Im Gegenzug argumentierte Pathé, dass 9,5-mm dank Mittelperforation ein fast so grosses Filmbildchen aufweise wie 16-mm.

Keine Konkurrenz
Tatsächlich war 16-mm keine wirkliche Konkurrenz für 9,5-mm. Die Apparate waren wesentlich schwerer und teurer als jene von 9,5-mm, auch das Filmmaterial kostete mehr. So entwickelte sich 16-mm zum Substandard-Format, das von Profis eingesetzt wurde, weil es sechsmal billiger war als das Normalformat (35-mm), während 9,5-mm dem Amateur vorbehalten blieb.

1926 wurde auf einer Seite die Perforation weggelassen und so Platz gewonnen für eine Lichttonspur. So wurde 16-mm auch das Format für Schulen und Forschungsinstitute.

Lichttonaufnahmen waren für den Amateur nicht möglich, daher offerierte Paillard-Bolex um 1932 einen anderen Weg zum «Tonfilm zu Hause»: Ein Bifilmprojektor 9,5/16 wurde mit einem Plattenspieler gekoppelt (33 oder 78 Touren) dem ein Röhrenverstärker nachgeschaltet war. Die Vorteile stellt ein Prospekt so heraus:

«Tonkino Paillard – Eine neue, wunderbare Universal-Apparatur für:
1. Projektion von selbst aufgenommenen oder gemieteten 9,5-mm- oder 16-mm-Filmen mit oder ohne Musikbegleitung.
2. Projektion von 9,5-mm- und 16-mm-Tonfilmen.
3. Wiedergabe von Schallplatten 33 oder 78 Touren. Der Tonkino-Paillard wird auch ohne Verstärker geliefert, im Übrigen aber komplett mit Projektor und synchronisiertem Motor und Pik-Up etc. zum direkten Anschluss an Ihren Radio.
4. Pausenmusik während des Filmwechsels.»

(Fortsetzung folgt)

Paillards «Tonfilm» (1932):
Ein Grammophon wurde elektronisch mit dem Bifilmprojektor (9,5-mm u. 16-mm) gekoppelt. Der Grammo-Motor diente als Master. Der Projektor als Salve. Ein Röhrenverstärker lieferte den Ton an den Lautsprecher.


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