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  16.7.2001
9,5mm – das erste Amateur-Filmformat (Teil 1)

Auf der Suche nach dem ersten Filmamateur

Von Ernst Wolfer

Leland Stanford, ehemaliger Gouverneur von Kalifornien, hatte eine Wette abgeschlossen über die Frage, ob ein Pferd im Galopp zu irgend einem Zeitpunkt alle vier Hufe vom Erdboden abgehoben habe oder nicht. Er bat daher 1873 den Fotografen Eadweard Muybridge, seinen Traber Occident in voller Aktion zu fotografieren. Muybridge stellte 24 Kameras nebeneinander auf, deren Verschlüsse das Pferd beim Durchgang durch Zerreissen eines Fadens selber auslöste. Mit diesen Aufnahmen wurde bewiesen, dass im Galopp alle vier Hufe vom Boden wegkommen.

Wenn wir eine Filmkamera definieren als einen «Apparat, der Einzelbilder in rascher Folge aufnimmt», dann war der Versuch von Muybridge natürlich kein Film, wenn auch die Bilder, in rascher Reihenfolge «abgespielt», eine Bewegung vortäuschen können.

Das Guckkasten-Kino
Der amerikanische Erfinder Thomas Alfa Edison produzierte ein Guckkasten-Kino, das Kinétoscope. In einem Kasten lief nach Einwurf einer Münze ein etwa 15 Meter langer 35-mm-Film ab, der durch ein Guckloch betrachtet werden konnte. Die Filme wurden professionell hergestellt, eine Kamera gab es nicht.
Der Franzose Léon Bouly hatte ein ähnliches Gerät gebaut, das erwähnt werden soll, weil er dem 1892 patentierten Apparat den Namen Cinématographe gab. – Solche Guckkasten-Kinos waren sehr beliebt. An zentralen Orten aufgestellt, war damit durchaus ein Geschäft zu machen. Jedenfalls gab es in den grösseren Bahnhöfen der Schweiz noch nach 1945 solche Guckkasten-Kinos, die allerdings mit 9,5-mm-Film bestückt wurden.

Ist vielleicht Georges Demeny der gesuchte erste Filmamateur? Er interessierte sich für die Mundbewegungen beim Sprechen. Um Gehörlosen bzw. Hörbehinderten zu helfen, erfand er das Phonoscope. Mit diesem Gerät konnte man Einzelaufnahmen im Sinne von «lebenden Bildern» betrachten. 1893 beschreibt die Zeitschft «La Nature» eine Aufnahmekamera von Demeny. Obwohl ausdrücklich «für den Amateur» angepriesen, kann der Apparat nicht als Filmkamera bezeichnet werden, denn mit den 24 Bildern, die kreisförmig auf einer Scheibe angeordnet waren, konnten keine Filme im heutigen Sinn aufgenommen werden. Wer als Filmamateur gelten will, muss beliebige Szenen mit einer Kamera aufnehmen, die er mit einem Projektor einem Publikum vorführen kann. Wer wird den Preis, als erster Filmamateur zu gelten, erringen? Fortsetzung folgt !

Thomas Alfa Edison 1847 – 1931, Erfinder.


Kinétoscope von Edison. 15 m Film von 35 mm Breite können durch das Guckloch betrachtet werden.


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