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  22.7.2002
Aus meiner Flimmerkiste (8)

Die Gebürder Lumière und ihr «Cinématographe»

Die Zuschauer warfen sich entsetzt auf ihren Sitzen zurück, als der «Cinématographe» der Gebürder Lumière 1895 in Paris die ersten zuckenden Bilder auf der Leinwand hervorzauberte. Gross, grösser und riesengross werdend, kam eine Dampflokomotive auf sie zugebraust, um sie zu überfahren!

Von Dr. Max Abegg
Später mögen sie sich zum ersten Mal bewusst geworden sein, dass der Film einen eklatanten Durchbruch durch ihre geruhsame Lebensauffassung bedeutete. Die Lokomotive, die in die Bahnstation von Villefranche-sur-Mer (bei Nizza) einfuhr, ist für das ausgehende Jahrhundert ein tiefer Einschnitt in Fühlen, Denken und Erleben gewesen.

Die aus vermögendem Hause stammenden Gebrüder Auguste (1862–1954) und Louis Lumière (1864–1948) beschäftigten sich, ausgehend vom edisonschen Kinetoskop und andern Kino-Verläufern, während Jahren mit der Aufnahme und Wiedergabe von Filmen. Der Wurf gelang, als der begabte Ingenieur Carpentier den «Cinématographe» im Auftrag der Lumière-Brüder geschafft hatte. Es handelte sich um ein filmisches Mehrzweckgerät: es diente zur Filmaufnahme, zum Filmkopieren und zur Filmprojektion. Das hierfür erteilt französische Patent trägt die Nummer 245.032 und datiert vom 13. Feburar 1895. Spätere Zusatzpatente von Lumière und Konstrukteur Carpentier tragen die Daten des 30. März und 6. Mai 1895 sowie des 28. März und 18. November 1896. Praktisch dachten die Messieurs Lumière, sie übernahmen von Anfang an Filmbreite und Bildmasse, wie sie Edison «genormt» hatte. Und so begann es, zum ersten Mal richtig.

Weitere Filmvorführungen
Paris, 22. März 1895: Anlässlich einer Sitzung der «Société d'Encouragement» hält Louis Lumière einen Vortrag über die Fotoindustrie (sein Vater besass in Lyon eine Trockenplattenfabrik). Als Abschluss zeigte er seinen ersten Film «Sortie des ouvriers de l'usine de Montplaisir» (Arbeiter verlassen die Fabrik von Montplaisir).

Lyon, 10. Juni 1895: Am «Congrè des Société photographique de France» (Kongress der französischen Fotografenvereine) werden weitere Filmstreifen von Lumière vorgeführt.

Paris, 11. Juli 1895: Filmvorführung vor Presseleuten und Geladenen im Verlag der Zeitschrift «Revue Générale des Sciences pures et appliquées» (Zeitschrift der exakten und der angewandten Wissenschaften). Dieser Vorführung wohnen etwa 150 Personen bei, die vor und hinter einer zwischen zwei Türrahmen angebrachten (transparenten) Bildwand sassen. Der Direktor der Zeitschrift beglückwünschte Louis Lumière mit begeisterten Worten zum «entscheidenden Markstein in der Entwicklung der fotografischen Wissenschaften».

Paris, 12. Juli 1895: Anlässlich eines Bankettes des Astronomen-Kongresses wurden zwei Filme gezeigt «Spaziergang der Kongressteilnehmer an den Ufern der Seine» und «Professor Janssen (ein weltberühmter Astronom) im Gespräch mit seinem Freund Lagrange». Es war eine unwahrscheinliche Sensation: Am Vortag waren die beiden Streifen gedreht worden – heute werden sie gezeigt!

Diesen ersten Filmvorführungen folgten weitere, so z.B. am 10. November 1895 in Brüssel und am 16. November 1895 vor den Mitgliedern der Universität Sorbonne in Paris.

(Fortsetzung folgt)


Gebürder Lumière.


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