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  28.5.2002
Aus meiner Flimmerkiste (7)

Bioscop, das erste Kinovorführgerät

Die Brüder Skladanowsky tüftelten auf eigene Faust an einen Kinovorführgerät dem «Bioscop». Im November verhelfen sie dem Film zu seiner ersten öffentlichen Vorführung, und gehen aber trotzdem nicht in die Filmgeschichte ein.

Von Dr. Max Abegg

Von den drei Brüdern war Max Skladanowsky der Techniker, Emil der Schausteller und Eugen der Schauspieler. Bereits 1892 hatte Max Skladanowsky eine «Filmkamera» konstruiert. Für die Erfindergeschichte der Kinematographie ist es bedeutungsvoll, dass die Skladanowskys als einfache Leute aus dem Volk auf eigene Faust eine Erfindung machten, die uneingeschränkte Anerkennung verdient. Worum ging es beim «Bioscop» genannten Filmvorführgerät? Der im November 1895 im Wintergarten in Berlin eingesetzte Apparat bestand aus zwei wechselweise arbeitenden Projektoren, auf deren Filmbändern die einzelnen Bewegungsphasen eines bestimmten Vorgangs verteilt waren. Während ein Filmbild projiziert wurde, rückte in dem abgedunkelten zweiten Projektor das nächste Filmbild nach. Die Brüder Skladanowsky entwickelten diesen nicht gerade gut funktionierenden Doppelprojektor nicht weiter, so dass sie in der Geschichte der Kinotechnik nicht weiter in Erscheinung treten. Im August 1896 traten sie zum letzten Mal mit ihrem 1895er-Doppelprojektor auf: Die Bilder zitterten denn doch zu sehr, so dass sie den Eindruck von Schattenspielen machten. Im Februar 1897 zeigten die Skladanowskys in Stettin Filme, die sie im Herbst 1896 gedreht hatten. Diese Filme wurden mit einem Projektor gezeigt, der das bekannte Malteserkreuz aufwies, womit die Gebrüder Skladanowsky bei der Erfindung von Oskar Messter angelangt waren, dem Mann, der die technische Entwicklung der Kinematographie tatkräftig vorantrieb. Damit war die Ära Skladanowsky so gut wie beendet. Sie betätigten sich weiter als Wanderschausteller mit dem Vertrieb von so genannten Taschenkinematographen.

Viele Jahre später wurde am Berliner Wintergarten eine Gedenktafel mit folgendem Inhalt angebracht: «In diesem Hause fand am 1. November 1895 die erste öffentliche Filmvorführung in Europa durch Max und Emil Skladanowsky statt, mit Hilfe eigens aufgenommener Filme und selbsterfundener Apparate des Max Skladanowsky.» Die Gedenktafel überstand die Bombenagriffe des 2. Weltkriegs, wurde dann aber in den ersten Nachkriegswirren geklaut (und wahrscheinlich als gute Bronze zum Metallwert verkauft). So oder so, die Gedenktafel ist seither verschwunden.
(Fortsetzung folgt)
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