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  22.4.2002
Aus meiner Flimmerkiste (6)

Die ersten «echten» Kinematographen

Von Dr. Max Abegg

Das Edison-«Kinetoskop» ging auf Reisen und zeigte am Ende der neunziger Jahre erstmals in den USA, in London, in Paris, in Berlin, im Wiener Prater und in München regelrechte kleine Spielfilmchen, die Edison in seinem Filmstudio - genannt
«Black Maria» - herstellen liess. Als dann die Brüder Skladanowsky, die Gebrüder Lumière und Oskar Messter mit ihren Erfindungen - echten Kinematographen - auf den Platz traten, verlor Edison sein Interesse am Film und wandte sich andere Erfindungen zu. Weiterentwicklungen schuf der Amerikaner Jean Aimé Le Roy, der 1923 in bitterster Armut in New York verstarb. Man vernahm es erst viel später, er war verhungert.

Die Gebrüder Sklanowsky Bioskop hat folgendes Repertoir:
«Italienischer Bauerntanz» (aufgeführt von 2 Kindern). «Komisches Reck» (Brothers Milton). «Das boxende Känguruh» (Mr. Delaware). «Jongleur» (Petras). «Akrobatisches Potpourri» (8 Personen). «Kammarintzky» (russ. Nationaltanz der drei Brüder Tscherpanoff). «Serpentinentanz» (Mlle Ancion). «Ringkampf» (zwischen Greiner und Sandow). «Apotheose» (Gebr. Skladanowsky). - Ein volles Variété-Programm in 15 Minuten.

«Die lebensgrossen Darstellungen im Bioskop sind die Projectionen eigener Original-Serie-Aufnahmen, sie geben das Leben in voller Natürlichkeit vermittelst der Electricität weiter, man glaubt die Wirklichkeit vor sich zu haben, so greifbar plastisch ist die Wirkung des Bioscops!»
Mit diesem Text warben Anzeigen in den Berliner Tageszeitungen im November 1895 für die Bioskop-Vorführungen der Brüder Skladanowsky im Berliner Variété «Wintergarten». Damit wusste männiglich, was geboten wurde - und was es geschlagen hatte. Nämlich nicht weniger als das: Am 1. November 1895 (also volle zwei Monate vor der Lumière-Vorführung in Paris) veranstalteten die Gebrüder Sklanowsky im Rahmen einer Variété-Vorstellung im Berliner Wintergarten die erste öffentliche Filmvorstellung.

(Fortsetzung folgt)

Das Kinetoskop Edisons erlaubt die Betrachtung kurzer 35-mm-Filme durch eine Person.


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