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  19.3.2002
Aus meiner Flimmerkiste (5)

Ein Genie, das alles will

Von Dr. Max Abegg

«William Friese-Greene. Der Erfinder der Kinematographie. Sein hoher Geist schenkte der Menschheit die Wohltat der kommerziellen Kinematographie auf Grund seiner Ersterfindung und seines Erstpatentes.» - Der Grabstein von Wiliam Friese-Greene (1855-1921) steht auf dem berühmten Londoner Friedhof Highgate; auf demselben Friedhof ist übrigens auch Karl Marx beerdigt.

Friese-Greene war ein genialer Techniker, aber auch ein unsteter Geist. Er wollte viel und alles auf einmal: die Kinematographie, den Tonfilm, den Farbfilm und den plastischen Film. Als naiver Schwärmer war er stets in Geldnöten und alles andere als ein Geschäftsmann. Trotzdem, am 21. Juli 1889 erhält Friese-Greene das britische Patent Nummer 10.301, dessen Anspruch jede Phase des «lebenden Bildes», wie wir es heute kennen, umfasst. Er stirbt an einem Herzschlag am 5. Mai 1921 anlässlich einer Tagung der englischen Filmschaffenden, an der er eigentlich nichts zu suchen hatte, bettelarm - mit 1 Shilling 10 Pence in der Tasche.

Der amerikansiche Wundermann
Am 18. Oktober 1931 ordnet US-Präsident Herbert Hoover an, dass um 22.00 Uhr im ganze Land das elektrische Licht eine Minute lang ausgelöscht werde. So ehrte Amerika den Erfinder, der dieses Licht ein halbes Jahrhundert zuvor hatte aufleuchten lassen, denn an diesem Tag schloss der 84-jährige seine Augen für immer – ein phantastisches Erfinderleben hatte sein Ende gefunden. Thomas Alva Edison war tatsächlich ein Wundermann, in der Zeit von 1868 bis 1909 meldete er nicht weniger als 1300 Patente an, wovon ihm deren 900 erteilt wurden!

Im Jahr 1889 bestellte Edison bei der Eastman-Kodak-Company die ersten lichtempfindlichen Zelluloidbänder, die er darauf mit Ach und Krach erhielt. Sie mussten zuerst fabriziert werden, damit Eastman sie liefern konnte. Auf diesem Filmstreifen von 50 Fuss Länge brachte Edison Reihenfotografien eines Mannes an, der in einen Phonographen sprach. Am 6. Oktober 1889 führte Edison die ersten «Tonfilmaufnahmen» der Welt auf seinem «Kinetophonographen» vor: Ein Herr nahm seinen Hut ab und fragte: «Mister Edison, wie gefällt Ihnen der Kinetophonograph?» Er hat ihm offenbar nicht so recht gefallen: 1892 brachte er nämlich ein neues Aufnahmegerät unter dem Namen «Kinetograph» und ein Betrachtungsgerät namens «Kinetoskop» heraus. Beides waren bedeutende Verbesserungen. Das «Kinetoskop» war 1893 auf der Weltausstellung in Chicago zu bestaunen. Aber die «Vorführmaschine» hatte den Nachteil, dass sie auf einen einzigen Betrachter beschränkt war, die Bilder konnten noch nicht auf eine Bildwand projiziert werden. Immerhin - Tatsache bleibt, dass der Tonfilm älter ist als der Stummfilm.
(Fortsetzung folgt)

Thomas Alva Edison (1847-1931)


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