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  14.1.2002
Aus meiner Flimmerkiste (3 )

Anschütz und sein Tachyscope

Von Dr. Max Abegg

Auf den beschriebenen und zahlreichen anderen Erfindungen bzw. Apparaturen gründet sich die Erfindung der Kinematografie. Der eigentliche Brückenschlag von der Fotografie zum Film ist dem in Polnisch-Lissa geborenen Deutschen Ottomar Anschütz (1846-1907) zu verdanken. Mit seinem Schnellseher – «Tachyskop» genannt – gelang es ihm 1889 erstmals, Phasenbilder von sich bewegenden Menschen und Tieren so aufzunehmen und wiederzugeben, dass ein völlig einwandfreier Bewegungsvorgang zustande kam. Eine epochale Erfindung. Sie trug ihm sogar eine finanzielle Unterstützung des preussischen Abgeordnetenhauses ein. Anschütz konnte bereits 24 Aufnahmen in 3/4 Sekunden machen, ein tolle Sensation. Damals. Durch Weiterentwicklung konstruierte er wenig später seinen «Elektrotachyskop» genannten elektischen Schnellseher und legte damit für andere Wegbereiter und Forscher endgültig das Fundament zum Kinematografen.

Anschütz hatte Pech in Zürich
Am 24. Dezember 1894 fand im «Volkstheater» (heute Schauspielhaus) in Zürich die erste Vorführung «lebender Bilder» durch Anschütz persönlich mit dem «Elektrotachyskop» statt. Das «Volkstheater» wurde damals von keinem Rechtschaffenen ernst genommen, es war eine seichte Unterhaltungsbühne, und keine Zeitung brachte Besprechungen ihrer Aufführungen. So gingen auch die fünftägigen Vorstellungen von Anschütz sang- und klanglos unter. Natürlich war auch die Ankündigung der neuen Erfindung mehr als unglücklich. Nachdem damals kein Mensch den Begriff «Film» kannte, wurde einfach von «beweglichen Laterna-magicas-Bildern» gesprochen, und die Leute vermuteten daher darin irgendwelchen Zaubertrick. Auch die zweite Vorfühgung lebender Bilder, die im August 1896 im Zunfthaus zur Meise stattfanden, wurden von der Presse nicht registriert. Fortsetzung folgt!


Tachyscope von Ottmar Anschütz. Die auf einer Kreisscheibe montierten Glasbilder werden mit einer Handkurbel bewegt. Ein Kontakt (oben) löst einen Blitz aus einer Geisslerröhre aus wenn das Bild in Projektionsstellung ist.
(Quelle, Auer: caméra ciné amateur)


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