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  09.04.2007
Aus meiner Flimmerkiste (27)

Von Dr. Max Abegg

Farbe dominiert die Natur – Farbe dominiert den Film!

Kodachrome- und Agfacolor-Film bringen Mitte der Dreissigerjahre Farbe in die Amateurfilmerei. So weit verbreitet der Kodachrome-Farbfilm war, so unbekannt sind seine beiden Erfinder, die Amerikaner Leo Godowsky und Leopold Mannes.

Das Agfacolor-Verfahren
enIm Jahre 1912 erhielt Dr. Rudolf Fischer, Betriebsleiter der Neuen Photographischen Gesellschaft in Berlin-Steglitz, das Patent Nr. 253 335 auf ein «Verfahren zur Herstellung farbiger photographischer Bilder». Dieses Patent legte die Grundlage der modernen Farbfotografie. Es basierte auf einer Entdeckung, die der Fotochemiker bereits im Jahre 1909 gemacht hatte. Als er einem Paraphenylendiamin-Entwickler Phenole oder Verbindungen mit Methylengruppen beimischte, erhielt er mit der Entwicklung der belichteten fotografischen Schichten Farbstoffe, die fast durchwegs in Wasser unlöslich sind und die sich gemeinsam mit dem geschwärzten metallischen Silber bilden. Das war der Clou! Fischer arbeitete zusammen mit dem Schweizer Dr. Hans Siegrist an den Grundlagen der chromogen entwickelten Mehrschichten-Farbfilme. Als weiteres war Fischers Patent Nr. 257.160 massgebend, das das Mehrschichtenprinzip mit der Farbentwicklung verband.

Gut Ding will jedoch Weile haben: Erst 24 Jahre später, im Jahre 1936, konnte der auf dem Fischer’schen Patent beruhende Agfacolorfilm als Farbumkehrfilm hergestellt werden. Das neue Verfahren wurde bei Agfa im Wesentlichen von Dr. Wilhem Schneider ausgearbeitet. Die ersten Agfacolor-Filme wurden anlässlich der Olympiade 1936 in Berlin gedreht. Damit hatte er seine Hauptprobe erfolgreich bestanden. Der Agfacolor-Neu Diafilm wurde am 17. Oktober 1936 in Berlin der Presse vorgestellt und kam am 17. November desselben Jahres in den deutschen Handel. Ausser Kodachrome-Filmen waren fast ausnahmslos alle nach dem 2. Weltkrieg gebräuchlichen Farbfilme anhand der Agfacolor-Patentschriften entstanden.

1935: Zwei Musiker erfinden den Kodachrome-Farbfilm
So weltbekannt der Kodachrome-Farbfilm ist, so unbekannt sind seine beiden Erfinder, die Amerikaner Leo Godowsky und Leopold Mannes. So unwahrscheinlich es klingen mag, beide waren Söhne berühmter Musiker und waren selbst Berufsmusiker: Leo als Violinist und Leopold als Pianist. Und was noch unwahrscheinlicher klingt: Nach Abschluss ihrer Forschungsarbeiten am Kodachrome-Farbfilm kehrten beide in ihren angestammten Musikerberuf zurück.

Godowsky und Mannes waren seit Jahren Berufskollegen, Freunde und begeisterte Amateurfotografen. Enttäuscht von der schlechten Farbqualität eines farbigen Spielfilms, setzte sie alles daran, einen besseren Farbfilm herzustellen. Mit jugendlichem Elan schritten sie an ihre Experimente, die sehr zum Leidwesen der Eltern, im Badezimmer ihrer New Yorker Wohnung durchgeführt wurden. Um sich die notwendigen Fachkenntnisse anzueignen, studierte Godowsky Physik und Mathematik und Mannes Physik. Ihren Unterhalt verdienten sie mit Musikunterricht. Die Patente von Dr. Fischer lernten die beiden Kodachrome-Erfinder 1927 durch das Lehrbuch «The History of Three Color Photography» von E. J. Wall kennen und verfolgten daraufhin den Weg mit in den Entwicklerlösungen enthaltenen Farbkupplern.

Im Jahre 1930 wurde die Eastman Kodak Company auf die beiden Musiker und Fotochemiker aufmerksam gemacht und verpflichteten sie kurzerhand in der Kodak-Entwicklungsabteilung in Rochester. Hier konnten sie ihre Experimente unter labortechnisch richtigen Voraussetzungen fortsetzen. So entwickelten sie bald ein subtraktives System mit drei aufeinanderliegenden Emulsionsschichten. Die Entwicklungszeiten der Filme bestimmten sie genau nach der Länge von Musikstücken, die sie in der Dunkelkammer vor sich hin pfiffen. Die Versuchsergebnisse wiesen Ihnen schliesslich den Weg zu einem Farb-Umkehrfilm. Auf dem Schichtträger wurde nacheinander je eine rotempfindliche und grünempfindliche Emulsionsschicht, eine Geldfilterschicht und zuletzt eine blauempfindliche Schicht aufgegossen. Die beiden Musiker hatten es geschafft, der Kodachrome-Fabfilm war erfunden und konnte 1935, ein Jahr vor Agfacolor, der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Nun hatten Leo und Leopold gut pfeifen und konnten getrost wieder zu ihrem Orchester und dem stundenweisen Musikunterricht zurückkehren.

Nach dem Krieg stellten weitere Fotohersteller wie, Ilford (England), Fuji (Japan) oder Gevaert (Belgien) vorübergehend Filmmaterialien nach dem Kodachrome-Verfahren her. Schon 1940 hatte Konishiroku kurz den Sakura Natural Color Diafilm als erstes fremdes Material entsprechend dem Kodachrome in den USA herausgebracht.

Fortsetzung folgt!

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