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  16.12.2006
Aus meiner Flimmerkiste (26)

Von Dr. Max Abegg

Der Schrei nach Farbe

Kaum flimmerten die ersten Schwarzweissfilme über die Kinoleinwände, schrie das Publikum nach Farbe. Pionierarbeit leistete einmal mehr ein Franzose Namens Charles Pathé.

Unersättlicher, ewig unzufriedener Mensch, der du bist, der nach der Farbe schreit, um die flimmernde Illusion – deine geliebte Traumwelt – noch wirklichkeitsnäher, noch echter und erlebnishafter auszukosten!

Der Schrei nach Farbe ertönte, kaum hatte die Flimmerkiste ihre ersten schwarzweißen Szenen auf der Leinwand in Bewegung gebracht. In der Tat, das Streben nach Farbe, um mit ihr den Natürlichkeitseindruck des Films zu steigern, ist fast ebenso alt wie der Film selbst. Jahrzehntelang beschäftigte er Farbbastler, Fotochemiker, Filmproduzenten und Regisseure gleichermassen. Während Amateurfilmern bereits ab 1935/36 Farbfilme auf Color-Umkehrfilm zur Verfügung standen, mussten die Kinotheater bis nach dem 2. Weltkrieg warten, bis endlich Farbfilme über die Leinwand flimmerten. Die Colorfilm-Story verdient es besonders aufmerksam verfolgt zu werden.

Nota bene: Charles Pathé (1863 – 1957)
Tja – dieser Franzose aus Paris darf keinesfalls übergangen werden, ist er doch nebst zahlreichen anderen filmgeschichtlichen Persönlichkeiten der Pionier des europäischen «Farbfilms» – dies allerdings in Anführungszeichen.
Charles Pathé zeigte um 1895 herum den edisonschen Phonographen, übernahm die europäische Vertretung, wurde ein schwerreicher Mann und Boss eines Musiktrusts. Schon 1896 verband er den Phonographen – und später das Grammofon – mit der Vorführung von Filmen. Ebenfalls in den Neunzigerjahren des 19. Jahrhunderts versuchte Pathé mit Erfolg die schwarzweissen Filmstreifen zu kolorieren. Dies geschah über tausende von Filmkilometern hinweg von Hand und mit Schablonen, wie sie Dekorationsmaler zu verwenden pflegen. Saure Arbeit für den Koloristen, sowie sauer verdientes Geld. Diese kolorierten Filme hatten einen riesigen Publikumserfolg und erreichten im ersten Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts ihre grösste Popularität.

Was Charles Pathé in die Hand nahm, das gelang ihm. 1896 gründete er die Firma «Pathé Frères», begann Filmaufnahme- und Projektionsapparate zu brauen, produzierte Filme, baute und erwarb Kinos in Frankreich, Europa und Übersee und wurde der unbestrittene, mächtige und millionenschwere französische Filmkönig. Im Jahre 1940 wurde als Nachfolgerin die «Société Nouvelle Pathé Cinéma S.A.» gegründet, der nach wie vor der grösste Konzern zur Herstellung von Filmen und zum Betrieb von Kinos, Laboratorien und Studios ist. Pathé machte sein Rennen und gewann es!


Fortsetzung folgt!

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