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  11.07.2005
Aus meiner Flimmerkiste (22)


Von Dr. Max Abegg

Sensationsjahr 1932

Für den Amateurfilm wird das Jahr 1932 zum Jahr der Sensationen. Auf der Leipziger Messe wird erstmals der Linsenraster-Farbfilm «Agfacolor» öffentlich gezeigt, der ab Monat Mai lieferbar ist. Paillard-Bolex bringt den ersten europäischen Tonfilmprojektor (Nadelton) für 9,5-mm- und 16-mm-Filme. Der 77-jährige Kodak-Gründer George Eastman erschiesst sich und hinterlässt einen Zettel mit den Worten: «Die Arbeit ist getan. Wozu noch warten?» Kodak bringt der Amateurfilmwelt den 8 mm breiten Film, den «Kodak-Acht-Film» (nachmalig Normal-8 oder Doppelacht genannt). Dazu äussert sich die Fachpresse u.a. wie folgt:

Die Hersteller haben immer wieder hören müssen, Schmalfilm sei etwas herrliches, aber zu teuer. Und das war nicht nur bei uns so, sondern auch im Land der einstigen* «Prosperity», den USA. So entschlossen sie sich zum Abbau des Preises, aber auch gleichzeitig zum Abbau des Formats. Nun kommt «Kodak Acht», das verkleinerte Schmalfilmformat (halbiertes 16-mm-Band), die Weltsensation auch zu uns. In einer Form die weit einfacher ist und der man von vornherein ansieht, dass sie durchführbar ist und daher das Filmen einem neuen grossen Kreis erschliessen wird, der die dafür erforderlichen, vergleichsweise bescheidenen Mittel aufbringen kann.

Der Mann wird recht haben: Im Jahr 1963 zählt man auf der Welt 20 Millionen 8-mm-Filmer.

* (Der Börsensturz von 1929 verursachte in den 30er-Jahren eine weltweite Depression.)

Am 15. August 1932 beginnt eine neue Ära in der Filmaufnahmetechnik, denn von diesem Tag an läuft die Frist für das österreichische Patent Nr. 136.11, das die «Anordnung an fotografischen Apparaten zur selbsttätigen Regulierung» zum Inhalt hatte: Die Belichtungsautomatik war geboren. Die Nutzung dieses und weiterer Patente stand Eumig allein zur Verfügung, und sie wurde genutzt: im Jahre 1935 brachte Eumig die erste Filmkamera der Welt mit eingebauter Belichtungsautomatik auf den Markt, die «Eumig C 2». Sie war der Prototyp aller Kameras mit Belichtungsautomatik, für 9,5-mm-Film-Kassetten mit 9 m Fassungsvermögen geschaffen und sie besass einen Federwerkmotor, der nach einmaligem Aufziehen in der Lage war, die ganze Kassettenladung zu transportieren (Verkaufspreis 298 Schilling). Auf einen Schlag war das Filmen herrlich unkompliziert geworden. Korrekterweise muss präzisiert werden, dass es sich um eine halbautomatische Belichtungsmessung handelte. Mit einem Regelgriff (der die Blende bediente) musste ein im Sucher sichtbarer Zeiger mit einer Marke zur Übereinstimmung gebracht werden. Die vollautomatische Belichtungsregelung kam erst viel später.

Fortsetzung folgt!


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