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  16.08.2004
Aus meiner Flimmerkiste (19)


Der Amateurfilm beginnt sich zu mausern

Von Dr. Max Abegg

Da lebte im schönen Dresden ein Mann namens Kretschmar, der helle auf der Platte war. Um die Kosten des Filmmaterials zu verbilligen, halbierte er im Jahre 1901 den 35-mm-Film und stellte einen 17,5mm breiten Schmalfilm her.

Die Fabrikation dieses Filmmaterials übernahm die Firma Heinrich Ernemann AG in Dresden (später mit anderen Unternehmen zur Zeiss Ikon AG, Dresden, zusammengeschlossen), die auch 17,5-mm-Filmgerät herstellte. 1902 wurden diese Geräte, genannt «Ernemann-Kino», und das Filmmaterial einer staunenden Öffentlichkeit vorgestellt. Sieben Jahre nach der ersten Projektion «lebender Bilder» war die echte Amateur-Kinematografie geboren und die ersten Amateur-Schmalfilmgeräte der Welt hergestellt. Der 17,5-mm-Film, der nur einen Viertel des 35-mm-Filmpreises kostete, wurde «Einloch-Film» genannt, denn er besass eine Mittelperforation. Damit nahm Erneman die Pathé-Idee vorweg, was auch der Grund ist, weshalb «Pathé-Frères» in Paris während Jahren für ihre 9,5-mm-Leihkassetten Lizenzgebühren an Ernemann entrichten mussten.

Das «Ernemann-Kino», die erste typische Amateur-Filmkamera, besass schon verschiedene Raffinessen. Versehen mit Zusatzapparaten konntre diese sowohl als Kopiermaschine als auch als Filmprojektor benutzt werden. Sie war ihrer Zeit weit voraus, konnte sich aber nicht recht durchsetzen, weil nur einzelne Unentwegte verschrieben sich der neuen Kino-Leidenschaft.
Doch damit hatte sich der Amateurfilm dennoch gemausert, und die Amateur-Kinematografie war geboren. Übrigens: Die von Ernemann geprägte Bezeichnung «Kino» ist später zum allgemeinen Begriff für die Lichtspielhäuser geworden. Dann kam der erste Weltkrieg und mit ihm wurde, neben viel anderem (und Wichtigerem), auch die Entwicklung des Amateurfilmwesens brüsk unterbrochen.

Fortsetzung folgt

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