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  06.06.2003
Aus meiner Flimmerkiste (14)

Von der Schaubude zum Kinopalast

So weit war der Weg von der Schaubude zum Kinopalast auch wieder nicht, vor allem wurde er in kürzester Zeit zurückgelegt: in etwas mehr als 25 Jahren. Bald nach dem Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts breitete sich das Wanderkino wie eine Invasion aus, überschwemmte die Jahrmärkte in Dörfern und Kleinstädten.

Von Dr. Max Abegg

Die Schausteller errichteten auf Markt- und Vergnügungsplätzen ihre Kinozelte mit einem fauchenden Lokomobil, das der Stromerzeugung diente, und mit einer ununterbrochen spielenden Orgel oder einem Orchestrion. Bunt und prunkvoll waren die Schauseiten der Zelte geschmückt, vielfach mit grossartigen, beinahe künstlerisch gemalten Filmszenen. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges (1914) kam das Gewerbe der Schaubunden-Kinematographen zum Erliegen.

Um die Jahrhundertwende entstanden auch in rascher Folge die ersten Kinos. In allen grösseren Städten nisteten sich in leerstehenden Ladenlokalen, in Kellern, sogar in ehemaligen Pferdeställen «Kinetographen mit echten lebenden Photographien» ein. Hauptsache, diese Buden fassten mindestens 20, selten aber mehr als 150 zahlungskräftige Gäste. Daneben wurden Filmprogramme gern als Schlussnummern in Variétés dargeboten. Tja – es darf nicht verschwiegen werden, dass in der Anfangszeit die meisten Laden- und Kellerkinos nach kurzer Zeit, oft nach zwei, drei Monaten, Pleite machten. Spielte keine Rolle, rasch war ein neuer Kinobesitzer zur Stelle mit einem vollständig neuen und sensationelle Monsterprogramm, mit total 14 Filmen mit einer Gesamtlaufzeit von fast einer Stunde. Nach 1905 entstanden auch schon in Kleinstädten die ersten Kinematographen-Bühnen, während in Grossstädten Kinopaläste mit mehreren hundert Plätzen eröffnet wurden, vielfach von ehemaligen Wanderkinobesitzern. Als Lichtspieltheater wurden anfänglich meist Gasthaussäle, Magazinbauten, leerstehende Fabrikationsstätten oder sogar ehemalige Theater entsprechend hergerichtet. Zu Neubauten kam es in Europa zunächst nur vereinzelt. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg (1939 - 45), insbesondere nach dem Siegeszug des Tonfilms, wurden Lichtspielhäuser erbaut und prunkvoll ausgestattet; von nun an konnte man von wirklichen Kinopalästen sprechen. Inzwischen waren aber in den USA bereits grösste Kinotheater für tausend und mehr Zuschauer entstanden.
(Fortsetzung folgt)
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