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  05.05.2003
Aus meiner Flimmerkiste (13)

Oskar Messter das Multitalent

Neben seinen multifunktionalen Tätigkeiten in seinen Filmproduktionen war Messter vor allem ein sehr guter Geschäftsmann in der deutschen Filmindustrie. So kam es nicht von ungefähr, dass er bei der im Dezember 1917 gegründeten «Universum-Film-Aktiengesellschaft» (UFA) eine massgebliche Rolle spielte.

Von Dr. Max Abegg

Alles in einer Person war Messter bei seinen ersten Produktionen von Unterhaltungsfilmen: Drehbuchautor, Dramaturg, Regisseur, Kameramann, Bühnenbildner, Entwickler, Kopierer und Vorführer. In Messters Filmbetrieb wurden auch die ersten «Trickfilme» hergestellt: Spielzeugeisenbahnen oder Spielzeugschiffe (im Wasserbecken) stiessen zusammen, und dies mit katastrophalen Folgen. Diebe erkletterten Mauern, wobei die Dekoration ganz einfach auf den Atelierboden gelegt und der Dieb von oben gefilmt wurde. Desgleichen verwendete er zu solchen Zwecken sein 1897 angemeldetes Patent, Filmaufnahmen vom fahrenden Eisenbahnzug aus drehen zu können.

Im Jahr 1917 erwirbt Oskar Messter das Riesenglashaus – 20 mal 40 Meter Bodenfläche und 12 Meter Höhe – des «Literaris Ateliers» in Berlin-Tempelhof. Es wurde zum Messter-Filmstudio und diente später der UFA noch lange Jahre als Kunstlicht-Atelier. Es lag in der Natur der Sache, dass damals alles, was bei der Bühne Rang und Namen hatte, Messters Weg kreuzte. Von ihm wurde denn auch die Karriere zahlreicher Künstlerinnen und Künstler massgeblich beeinflusst. Nicht wenigen Stars ebnete er den Weg zur Weltberühmtheit, wie etwa Lil Dagover, Adele Sandrock, Emil Jannings, Harry Liedtke, Harry Piel, Reinhold Schünzel, Conrad Veidt, Asta Nielsen, Henny Porten und vielen anderen mehr.

Oskar Messters war aber nicht nur Erfinder, Konstrukteur und Filmproduzent, er war auch ein tüchtiger Geschäftsmann. Als solcher war er an mehreren Filmgesellschaften finanziell beteiligt, er war auch Besitzer mehrerer Lichtspielhäuser. So kam es nicht von ungefähr, dass er bei der am 18. Dezember 1917 mit einem Aktienkapital von 25 Millionen Mark gegründeten «Universum-Film-Aktiengesellschaft» (UFA) eine massgebliche Rolle spielte. Die UFA entstand im Wesentlichen aus dem Filmproduktionsunternehmen Messter, Nordisk, Gloria, Union, Oliver und May. Dass die UFA nebst den Ateliers und Filmbearbeitungsbetrieben auch die Starverträge ihrer Vorgängerfirmen übernahm, wurde ihr Glücksfall, denn dank diesen Stars konnte der künstlerische und filmische Weltruhm der UFA in den kommenden Jahren begründet werden. Nebst den bereits erwähnten berühmten Stars gehörten zum künstlerischen Mitarbeiterstab der UFA (um nur die wichtigsten zu nennen): Ernst Lubitsch, Carl Froelich, Pola Negri, Emil Jannings, Harry Liedtke, Henny Porten, Asta Nielsen u.a. Die vom UFA-Konzern übernommenen Filmunternehmen waren nicht nur Schrittmacher und Träger des von der Berliner Filmmetropole in alle Welt hinausgetragenen Ruhmes, sie hatten auch die Grundlagen gelegt für die grossen geschäftlichen Erfolge der UFA bis zum Zweiten Weltkrieg. In Ihrer Blütezeit besass die Firma nicht weniger als 37 General-Verleihanstalten und Firmen in allen Kontinenten. Nach dem Krieg kam der wirtschaftliche Niedergang, von dem sich die UFA bis zum Ende der sechziger Jahre nicht wieder erholen konnte. (Fortsetzung folgt)
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