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  03.03.2003
Aus meiner Flimmerkiste (12)

Messters Erfolge lassen nicht auf sich warten

Die Geschäfte des Oskar Messter gedeihen prächtig: Projektoren gehen in Serie vom Stapel, und bald ist die Konstruktion der «Kine-Messter-Kamera» abgeschlossen. Nebenbei dreht Messter eigene Filme und begründet die Wochenschau.

Von Dr. Max Abegg

Oskar Messter entfaltete eine ungeheure Aktivität als Konstrukteur und Fabrikant und kann, nach den Eintragungen in seinen Geschäftsbüchern, im zweiten Halbjahr 1896 nicht weniger als 64 Kinoprojektoren ausliefern. Diese gehen zu einem guten Teil ins Ausland, nach Belgien, Bulgarien, Italien, Österreich, Russland, Schweden und Ungarn.

Im Jahr 1900 ist die Konstruktion der «Kine-Messter-Kamera» abgeschlossen, er lässt davon gleich 100 Stück herstellen. Es war dies die erste kleine, handliche Filmkamera, ausgestattet mit Wechselkassette für 30 Meter Film. Viele Einzelvorrichtungen hatte Messter patentamtlich geschützt. Sie war auch die erste Filmkamera, die berühmte Wissenschaftler und Forscher auf Expeditionen mitnahmen. So benützte sie der Herzog von Mecklenburg 1912 auf seiner Afrika-Expedition, wie auch der berühmte Afrikaforscher Professor Schillings.

Ebenfalls schon 1896 baute Messter seine erste Entwicklungsmaschine, der eine optische Filmkopiermaschine folgte, auf die er 1900 ein Patent erhielt. Von 1916 bis 1917 verarbeitete Messter in seinem Kopierwerk nicht weniger als 4500 Kilometer Film. Die Arbeiten in den eigenen Fabrikations-, Entwicklungs-, Kopier- und Filmproduktionsbetrieben leitete Messter bis zu deren Übernahme durch den UFA-Filmkonzern im Jahr 1918 persönlich.

Im Oktober 1897 bringt Messter den ersten Kinokatalog der Welt heraus, in dem neben seinen eigenen Filmaufnahmen, Bearbeitung- und Wiedergabegeräten, 84 Filme eigener Produktion in Längen von 18 bis 24 Metern angeboten werden. Sie kosten 58 bis 75 Mark das Stück. Sein Film Nr. 1 hat folgende Inhaltsangabe: «Am Brandenburger Tor zu Berlin: Belebtes Strassenbild zur Mittagszeit «Unter den Linden» in Berlin. Im Hintergrund sind die Säulen des Brandenburger Tores sichtbar.» Messters erster Aktualitätenfilm hatte die schlesische Überschwemmungskatastrophe von 1897 zum Inhalt. Anlässlich eines Schiffsstapellaufs geruhte seine Majestät, Kaiser Wilhelm II., sich von Messter filmen zu lassen. Das muss geklappt haben, denn im darauf folgenden Jahr begleitete Messter den Kaiser auf seiner Reise durch die Levante als Kameramann. [Levante: Küste Kleinasiens, Syriens und Ägyptens]

Für Messter bedeutete es übrigens eine Selbstverständlichkeit, dass vormittags gedrehte Filme gleichentags am Abend vorgeführt wurden. Messters erster Wochenschau-Kamermann war der später berühmte Filmregisseur Professor Carl Froelich, der u.a. am 28. September 1908 die Folgen eines Zugszusammenstosses der Berliner Hochbahn filmte, eine der grössten Verkehrskatastrophen jener Zeit.
(Fortsetzung folgt)
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