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  17.02.2006

Super 8 ist immer noch besser als alles Digitale

Von Beatrice Jäggi

Das Festival vom November 2001 war der Autorin dieses Beitrags noch in lebhafter Erinnerung als anstrengend und chaotisch. Demnach war die Vorfreude auf die jüngste Ausgabe der Dresdner Schmalfilmtage immer auch von einer Skepsis begleitet. Die Frage, wie sich dieses Festival in den vergangenen Jahren entwickelt hat, darf jetzt aber mit einem sehr positiven Nachdruck beantwortet werden. Die Dresdner Schmalfilmtage, die seit dem Jahre 1997 in unregelmässigen Abständen zum siebten mal statt fanden, haben sich zu einem soliden Untergrundfestival entwickelt.

Die Veranstalter des Dresdner Kulturvereins Riesa Efau dürfen mit der jüngsten Ausgabe ihres Filmfestivals, das zu 100 Prozent dem Schmalfilm zugetan ist, rundum zufrieden sein. Immerhin an zwei Abenden war die Motorenhalle mit rund 200 Besucherinnen und Besucher bis zum letzten Platz besetzt.

EXPOSED, das diesjährige Motto das Schmalfilmtage, widmete sich dem Untergrundfilm und der kineastischen Subkultur Dresdens der 70er und 80er im Besonderen. Dass es in der Spätphase der DDR neben der offiziellen Bilderfabrik von Babelsberg auch eine aktive Untergrundszene gab, die ihre subversiven Visionen auf Super 8 bannte, ist heute noch vielen weitgehend unbekannt. Die vom Berliner Filmwissenschaftler und Publizist Claus Löser zu diesem Thema gezeigten Filme mögen aus heutiger Sicht chaotisch und unzugänglich daherkommen, sie bilden jedoch wichtige Zeugnisse für eine von der damaligen Staatsdoktrin abweichenden Perspektive.

Eigentlicher Höhepunkt des Filmprogramms waren einmal mehr die beiden Wettbewerbs-Programme unter den Titeln «Der offene Schlagabtausch» und «Underground». Auch wenn es immer schwieriger wird aktuelle Super-8-Filme in der Szene aufzustöbern, präsentierten sich die Palette der präsentiere Filme vielfältig und das Handwerk solide (Gewinner siehe unten).

Apropos Handwerk: Das wohl ausgeklügeltste Handwerk der wohl spektakulärsten Attraktion des Festival darf hier auf keinen Fall ausgelassen werden. Die Schweizer Super-8-Aktionsgruppe «mobiles kino», in vergangener Zeit immer wieder durch originelle Aktionen aus dem «schmalfilmzweckentfremdenden» Bereich auf sich aufmerksam gemacht, wartete dem Festival mit einer Besonderheit auf: Der Super-8-Gamearcade. Die Video- und Computer-Games nachempfunden, jedoch mit Super-8-Filmloops gesteuerten Spielkonsolen kann man mit Worten kaum beschreiben – man muss sie einfach gesehen haben! Angefangen hatte alles, als die Gruppe, bestehend aus David Pfluger, Florian Olloz, Gilbert Engelhard und Roland Schmidt, mit der Pixel Slot Machine am Super 8 Festival im November 2002 in Zürich die Besucherinnen und Besucher erstaunten. Nach dem Spielprinzip des sogenannten Einarmigen Banditen müssen hier die Symbole drei parallel laufender Super-8-Loops in die gleiche Position gebracht werden. Zum Pixel Slot gesellten sich schon bald weitere Spielautomaten wie der Racer oder die 8-Box, bei der auf einem S8-Loop Symbole der wichtigsten Computer-Hersteller abgeschossen werden. Bei der jüngsten Konstruktion, dem Pixelblaster, muss ein Roboter herunterfallenden Geschossen ausweichen. Herzstück dieser Konstruktion ist eine aufwändig verkabelte Schaltfläche mit Lichtsensoren auf die ein Super-8-Animationsfilm als Spielsteuerung gleich dem Prinzip einer Lochkarte projiziert wird. Um die riesige Anzeigetafel, bestehend aus 24 Umzugs-Kartons aus Basel nach Dresden zu schaffen, musste ein kleiner Bus bemietet werden.

Als weiteres Projekt ist zur Zeit die Super-8-Installation High Noon Handy Game in Arbeit, bei dem das Heimkinoformat Super 8 mit der neuerdings filmtauglichen Handytechnologie kurzgeschlossen werden soll.
Für die Entwicklung hat das «mobile kino» im Herbst 2005 einen Kunstkredit der Stadt Basel erhalten. Man darf sich also weiterhin auf einiges der vier sympathischen Herren des «mobilen kinos» gefasst machen. Wer bisher geglaubte hatte, ohne Digitaltechnik ginge in der Welt der Spielkonsolen nix mehr wird hier eines besseren belehrt. David Pfluger brachte es gleich zu Beginn des Festival auf den Punkt:
Super 8 ist immer noch besser als alles Digitale.


7. Dresdner Schmalfilmtage, 26. -28. Januar 2006, www.schmalfilmtage.de

1. Preis Wettbewerb l (Der offene Schlagabtausch) ging an «Fertig» von Antje Grüner und Karen Packebusch
1. Preis Wettbewerb ll (Underground) ging an «Vorsicht Filmfest» von Manuel Francescon



Stimmungsvolle Dresdner Schmalfilmtage in der Motorenhalle.

www.schmalfilmtage.de



Attraktion des Festivals: Die Super8-Gamearcade des «mobilen kinos». Für die Grossansicht bitte Bild anklicken.
(Fotos: Roland Schmidt u. Beatrice Jäggi).

www.mobileskino.ch