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  03.03.2003

Im Dienste des Schmalfilms

In seinen Werkstätten im solothurnischen Selzach, einem Dorf am Südfuss des Juras, setzt sich der Film- und Fernsehtechniker Ruedi Muster unermüdlich dafür ein, dass Schmalfilmformate wie Super 8 nicht völlig in Vergessenheit geraten. Seit einigen Jahren tüftelt er auch an einem neuen, genialen Filmformat herum, DS-16:9.

Von Beatrice Jäggi
In seiner Weckstatt und den Arbeitsräumen hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten einiges angesammelt – Projektoren, Kameras, Zubehör, Prüfgeräte und vieles mehr. Seine Lebenspartnerin rege das viele Zeug schon manchmal auf, aber Ruedi Muster gibt nur selten alte Geräte zur Entsorgung – man wisse ja nie, was sich noch alles als ideales Ersatzteil entpuppen könnte. Ruedi Musters Tätigkeiten bestehen hauptsächlich darin, Schmalfilm-Projektoren und Kameras sowie sämtliches Zubehör zu reparieren und zu revidieren. Mittlerweile gibt es nicht mehr viele Techniker, die diese Arbeit ausführen. Musters Vielseitigkeit ist nicht zuletzt auf seinen beruflichen Werdegang zurückzuführen. Nach seiner Lehre als Maschinenzeichner mit Mechanikerpraktikum besuchte er während dreier Jahre das Abendtechnikum, und später folgte der Abschluss an der Elektronik-Fachschule. Seine beruflichen Erfahrungen sammelte er vor allem im bekannten Filmkamera- und Projektoren-Unternehmen «Bolex», wo er in der Forschung, Konstruktion und Neuentwicklung tätig war. Anschliessend führte ihn sein Weg zum Schweizer Fernsehen nach Zürich, wo er sich im Bereich Unterhalt und Produktion im Videosektor weiterbildete. Seit nunmehr 30 Jahren führt er die Firma Film- und Fernsehtechnik in Selzach.

Ein Schmalfilmidealist schlechthin
Seit je her tüftelt Ruedi Muster auch an neuen Filmformaten herum. Seine aktuellste Erfindung diesbezüglich heisst DS-16:9. Als Träger dient ein KODAK-Doppel-Super-8-Film (16-mm-Film mit beidseitiger Super-8-Perforation). Dieser Film wird beim herkömmlichen Gebrauch nach der Entwicklung in der Mitte auseinander geschnitten. Muster hat eine bestehende Bolex-H16-RX-Filmkamera so um gebaut, dass der Film auf der gesamten Breite, von Perforation zu Perforation, belichtet werden kann. Daraus ergibt sich ein Bildseitenverhältnis von 16 zu 9, die dem Super-16-mm-Filmformat entspricht. Daraus ergeben sich gleich mehre Vorteile:

  • Original 16:9-Format.

  • Das Bildzentrum befindet sich in der Mitte des Films, d.h. beidseitig optimale Filmseitenführung für Abtaster und Projektor.

  • Der Balken zwischen den einzelnen Bildfenstern ermöglicht unsichtbare Schnitte, dadurch erübrigt sich eine teure A-B-Band-Schnitttechnik.

  • Die Bildbalkenbreite ermöglicht das Aufbelichten eines Bearbeitungscodes.

  • Das Nachrüsten von bestehenden Bolex-H16-RX-Filmkameras ist machbar.


Einen 16-mm-Film mit diesem Timecode finden selbst Techniker beim deutsche Fernsehsender ZDF, für den Muster Filmkameras umbaut, schlicht genial. Auch bei den KODAK-Vertretungen in Lausanne und Stuttgart kommen Musters Ideen ebenfalls gut an. Um den Film jedoch en gros zu etablieren, müsste die Firmenführung das O.K. für eine eigene ISO-Norm geben. In Rochester lässt man sich selbst mit einem Stellungsbezug zur Sache Zeit – Musters Gesuch ist seit Frühling 1998 hängig. Schade, den gerade in der heutigen Zeit, in der immer mehr Filmschaffende auf digitale Medien umstellen, hätten Hersteller des altbewährten Zelloid-Films immer noch einige Trümpfe im Ärmel, die nach Musters Auffassung jedoch leider nicht ausgespielt würden.

Ob sein Filmformat jemals auf dem Markt lanciert wird, ist ungewiss. Muster ist sich aber sicher, dass das Format DS-16:9 auch gängigen Filmformaten wie Super 8 und 16 mm neue Impulse verleihen würde.

Für Filmproduktionen besteht die Möglichkeit, Geräte (Kameras und Projektoren in den Formaten Standard 8, Super 8, 16 mm und Super-16-mm) zu mieten und zu kaufen.


Ruedi Muster mit einer Bolex Doppel-S8-Filmkamera.



Am Anfang war die Idee: Ruedi Muster mit Plänen für sein DS-16:9-Filmformat.



DS-16:9 – der Doppel-Super-8-Film wird auf der gesamten Breite, von Perforation zu Perforation, belichtet.