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  27.02.2004

Nizo – die Kult-Marke

Von Jürgen Lossau

Wer Nizo sagt, verbindet damit Qualität und Design. Nizo – die deutsche Edelmarke, wenn es um Filmkameras geht. Dieses Attribut verdankt Nizo vor allem der glücklichen Fügung, 1962 an die Braun AG verkauft zu werden. Erst jetzt kommt zur technischen Qualität auch das hervorragende Design.

1934 werden bei Nizo in München zehn Filmkameras pro Tag gebaut. 1973, auf dem Höhepunkt des Super-8-Booms, sind es 300, gegen Ende, 1980, 205 Stück. Im Jahr macht das nie mehr als 69'308 Geräte, soviel wie der japanische Produzent Chinon in einem Monat fertigte. Aber Masse ist nicht immer gleich Klasse. Nizo ist heute eine Legende, Chinon längst vergessen.

«1 - 2 - 3, und Sie können filmen», so einfach ist das in den Anzeigen von 1925. Frisch gegründet, wirbt das Münchner Unternehmen für ihre «Nizo 35» als 35-mm-Amateurfilmkamera: «Der Federwerkantrieb macht Stativ und Kurbel überflüssig.» Die beiden bisherigen Vorstandsmitglieder der Aktiengesellschaft für Feinmechanik, Georg Niezoldi und Georg Krämer, werden selbstständig. Und sie beackern Neuland! Der Amateurfilm kommt auf, aber ist er wirklich zukunftsträchtig?

Ab 1932 baut Nizo auch Projektoren. Von Anfang an setzt man auf Mehrformat-Geräte für 16 und 9,5 mm. Beide Formate werden auch mit Kameras bedient. Als wiederum erste europäische 8-mm-Filmkamera kommt 1933 die «Nizo 8 E» heraus. Denn wer will schon ein Zehntel seines Monatsverdienstes für eine Rolle Kodak 16-mm-Colorfilm ausgeben? Ein pressischer Regierungsrat verdient zu dieser Zeit 350 Reichsmark im Monat, seine Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung kostet ihn gewiss 130, die 16-mm-Filmrolle 32 Reichsmark. Da greift man lieber zum Doppel-8-Farbfilm für nur 13 Reichsmark.

Die wesentlichen Schutzrechte für die 8-mm-Kameraserie Heliomatic laufen fix ab. Und das Geschäft beginnt Ende der fünfziger Jahre zurückzugehen. Dem schneller werdenden technologischen Wandel hat die Marke nichts entgegenzusetzen. Noch immer produziert man im Meisterbetrieb Stück für Stück – industrielle Serienfertigung ist tabu. Nizo verschuldet sich stark und ist nicht mehr liquide. Die hessische Braun AG rettet Nizo im Februar 1962 vor dem Konkurs.

Einzigartiges Design
Aus der klobig-bauchigen, türkis-bunten, verspielten «Nizo Allmat 2» soll eine ergonomisch gestaltete, ästhetisch und funktionell reizvolle Kamera werden. Eckig statt rund, Rot-Punkt-Markierungen für die Normaleinstellung, Kontrast zwischen schwarzem Kunstleder in den Griffzonen und hellem Metallic-Lack. So entsteht die letzte Federwerk-Kamera als Gemeinschaftsarbeit von Chefdesigner Dieter Rams mit Richard Fischer und Robert Oberheim: Die «Nizo FA 3».

Am 19. Dezember 1967 erwirbt «The Gilette Company», Boston, die Aktienmehrheit des gehobenen Gemischtwarenladens. Braun tummelt sich inzwischen auf unglaublich vielen Feldern, baut Feuerzeuge, Lernsysteme, Heizlüfter, Weltempfänger. Legendär sind die Phono-Kombination «Schneewittchensarg» sowie die Rasierer-Reihe «Sixtant». Und bei den Filmkameras setzt das Unternehmen ab 1965 ganz auf Super-8.

1975 hat das Filmgeräte-Werk 803 Beschäftigte, darunter 548 Frauen. Der Höhepunkt ist erreicht. Schon 1976 verwandelt sich die Wachstumskurve für Super-8-Kameras in eine steile Abwärtsgerade. Die Japaner beginnen den Markt zu monopolisieren und verdrängen europäische Hersteller in das Segment hochpreisiger Geräte mit geringen Stückzahlen. Auch auf den verstärkten Einsatz von Elektronik ist man bei Nizo nicht so recht gefasst.

Die Einführung der ersten Tonfilmkamera, «Nizo 2056 sound», gerät zum Desaster. Mit viel Tamtam und Vorschusslorbeeren versehen, muss die Serienfertigung zunächst wegen technischer Mängel abgebrochen werden. Die Rentabilität der Sparte «Filmgeräte» lässt nun endgültig zu wünschen übrig. Trotzdem entschliesst man sich zu einer Vorwärtsstrategie. Neben Tonfilmprojektoren, den sogenannten Visacustic-Modellen, baut Nizo ab 1978 Universal-Filmkameras, die für Stumm- und Tonfilm einsetzbar sind und bei denen man nicht – wie bei Modellen anderer Hersteller – wesentliche Funktionen vermissen muss, die Stummfilmkameras sonst bieten.

In einer gemeinsamen Presse-Erklärung geben die Robert Bosch GmbH und die Braun AG am 4. November 1980 bekannt: «Im Hinblick auf die verschärfte Wettbewerbssituation in den international hart umkämpften Märkten für Schmalfilm- und Blitzgeräte erwägen die Robert Bosch GmbH und die Braun AG die Zusammenführung ihrer Aktivitäten auf diesen Gebieten.» Die Marke Nizo soll trotzdem weiterentwickelt, die Herstellung in München fortgeführt werden. Doch Mitte 1982 ist Schluss. Die vorproduzierte Ware liegt teilweise noch bis 1986 auf Halde.


Mehr zu Nizo-Super-8-Kameras
Die Wunderwerke: Anfang der Siebzigerjahre bringt Nizo mit der «Nizo S 800» das Nonplusultra in Sachen Super-8-Kameratechnik auf den Markt. Noch opulenter kommt im Jahre 1975 die «Nizo professional» daher.


Das alte Firmen-Logo von Niezoldi&Krämer.


Die «Nizo FA 3» nach der Übernahme durch die Braun AG 1963 (Bild: Jochen-Carl Müller).


Prüfung des Kopfhörer-Ausgangs einer «Nizo 2056 sound».


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