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  11.07.2003

Filmproduktion und Musikrecht: Vier Fragen und vier Antworten

Der Film ist abgedreht, geschnitten, betitelt – jetzt muss er noch vertont werden und natürlich darf hierfür eine stimmungsvolle Musik nicht fehlen. Im riesigen Angebot von Klassik über Jazz bis zu Rock und Pop finde ich schnell einen Titel, der hervorragend zum Filminhalt passt. Doch wie sieht das eigentlich mit dem Urheberrecht aus? Darf ich einen Musiktitel einfach so und umsonst für meine Filmvertonung verwenden?

Von Beatrice Jäggi

Wer einen Film dreht und diesen einem öffentlichen Publikum zeigen möchte – d. h. eine Vorführung, die ausserhalb der eigenen vier Wände stattfindet –, tut gut daran sich von Beginn an über sämtliche Verwendungsrechte von Musik, literarischen Vorlagen etc. Klarheit zu verschaffen. Es würde den Rahmen total sprengen, hier gleich alle Fragen in Sachen Verwendungsrecht zu beantworten, daher möchten wir hier lediglich die Rechte im Zusammenhang mit Musik und Filmproduktion etwas genauer unter die Lupe nehmen.
Musik löst Assoziationen, Stimmungen, Erinnerungen aus, und sie ist aus einer Filmproduktion kaum weg zu denken. Musik ist aber nicht frei verfügbar. Eine musikalische Komposition gilt genauso wie ein literarisches oder wissenschaftliches Werk als geistige Schöpfung und unterliegt dem Urheberrecht. Wer einen Film mit einem Musikstück ab einer CD, z. B. mit einem Song von Billie Holiday vertont, muss dabei verschieden Verwendungsrechte berücksichtigen, sowohl künstlerische (Komponist/Interpret) als auch industrielle (Hersteller von Tonträger).

Welche Rechte muss ich berücksichtigen?
Im Zusammenhang von Musikrecht und Filmproduktion können folgende Rechte zum Tragen kommen:

Das Vervielfältigungsrecht: Der Urheber kann die Überspielung seines musikalischen Werkes auf einen Tonbildträger (Film, Video etc.) bewilligen oder verbieten.
Das Synchronisationsrecht: Der Urheber hat das Recht die Verbindung sein musikalisches Werk mit einem anderen Werk, z. B. einer Filmproduktion, zu bewilligen oder zu verbieten.
Recht der ausübenden Künstlerinnen und Künstler: Ausübende Künstlerinnen und Künstler, wie z. B. Musiker(innen) oder Sänger(innen), verfügen ebenfalls über das Recht, die Verbindung ihrer Darbietung mit einer Filmproduktion zu bewilligen oder zu verbieten.
Industrielle Rechte: Der Produzent hat das Recht zu bestimmen, ob eine Musikaufnahmen in einem Film verwendet werden darf oder nicht.
Rechte bei der Filmverwertung: Der Organisator der Filmverwertung (Kino, Fernsehen etc.) schuldet der Suisa einen Vergütung, die sie dem Inhaber der Musikrechte zugute kommen lässt.

Die Schutzfrist des Urhebers einer musikalischen Komposition erlischt 70 Jahre nach dessen Tod. Die Schutzfrist der ausübenden Interpreten, Produzenten etc. erllischt nach 50 Jahren (z.B. 50 Jahre nach der Aufnahme).
Für die Einholung sämtlicher Rechte, die die Vertonung betreffen, ist der Produzent des Filmes verantwortlich. Die erforderliche Rechte zur Vorführung der Films muss der Organisator der Veranstaltung einholen.

An wen muss ich mich wenden?
Ansprechpartnerin für Urheberrechte von Musik in Filmproduktionen in der Schweiz und Liechtenstein ist die Suisa mit dem Hauptsitz in Zürich und einer Aussenstelle in Lausanne. Die Suisa hat Gegenseitigkeitsverträge mit über hundert ausländischen Schwestergesellschaften, wie z. B. mit der Gema, die die Rechte in Deutschland vertritt (Adressen siehe Spalte nebenan). Dank diesen Verträgen vertritt die Suisa das Repertoire der Musik von weltweit 1,7 Millionen Urheber(inne)n, Textautor(inn)en und Verleger(inne)n. Die Suisa klärt die rechtlichen Fragen ab und stellt die Nutzungstarife in Rechnung. Die Höhe der Urheberrechtsentschädigung hängt von der Art der Musiknutzung ab. Es empfiehlt sich in jedem Fall, Abklärungen in Zusammenhang der Urheberrechte frühzeitig in Angriff zu nehmen.

Gibt es Musik, die frei verfügbar ist?
Spricht für sich, dass man mit all diesem juristischen Kram am liebsten gar nichts zu tun hätte. Eine Alternative bieten Musikkompositionen aus dem Mood-Musik-Verzeichnis. Das ist Musik, die verschiedene Verleger eigens zur Vertonung von Tonbildträgern anbieten. Diese Musik ist ebenfalls nicht frei verfügbar, das Einverständnis des Rechtsinhabers muss aber nicht im Einzelfall eingeholt werden. Die Auswahl ist beschränkt und klassische Titel fehlen. Gänzlich frei verwendet werden können Aufnahmen, bei denen sämtliche Schutzfristen abgelaufen sind, z.B. Beethoven ab einer Schallplatte, die vor mehr als 50 Jahren produziert wurde.

Was kann geschehen, wenn ich mich nicht um die Bestimmungen kümmere?
Solange der Film nur an kleinen und wenig bekannten Filmfestivals gezeigt wird, passiert in den meisten Fälle nichts, weil die Angelegenheit unentdeckt bleibt. Grundsätzlich sollte man sich aber darüber im Klaren sein, dass dieses Vorgehen aus juristischer Sicht nicht legal ist. Problematisch kann es werden, wenn der Film am Fernsehen ausgestrahlt oder auf einer DVD vertrieben wird. Die Suisa ist eine sehr beharrliche und findige Institution, und sie kann Urheberentschädigungen auch rückwirkend einfordern. Im Extremfall kann der Urheber oder Produzent einer Musikkomposition Forderungen geltend machen, dass ein Musiktitel wieder aus dem Film herausgenommen wird. Wer die Produktion eines Films professionell angeht, bezieht Fragen über Urheberrechte aller Art von Anfang an in die Planung mit ein.


Wer unbedarft Musik ab Schallplatten für eine Filmvertonung verwendet, kann gesetzwidrig handeln. (Illustration: B. Jäggi)


Adressen:

SUISA – Schweizerische Gesellschaft für die Rechte der Urheber musikalischer Werke
Bellariastr. 82
Postfach 782
CH-8038 Zurich
www.suisa.ch
suisa@suisa.ch


GEMA – Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte
Postfach 30 12 40
D-10722 Berlin
od.
Postfach 80 07 67
D-81607 München
www.gema.de
gema@gema.de


Musik für Filmvertonung:

Koch Records AG
Poststrasse 10
Postfach 535
CH-9201 Gossau
www.kochmusikverlage.com

Highland Musikarchiv
Wolfhager Strasse 300
D-34128 Kassel
www.hgl0.de

Selected Sound Musikverlag GmbH
Postfach 30 15 88
D- 20305 Hamburg
www.selectedsound.de

BMG Zomba Music Libraries OHG
Velaskostrasse 6
D- 85622 Feldkirchen