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  24.09.2007

Für sieben Jahre ausgesorgt

Mitten in einem Berner Wohnquartier trotzt ein kleines Fotofachlabor dem digitalen Zeitalter – und hat mit Super 8 eine neue Einnahmequelle gefunden.

Von Beatrice Jäggi
Im Schaufenster des Eckhauses an der Gewerbestrasse 22 lagern unzählige leere Filmpatronen. Tatsächlich scheint auf den ersten Blick im kleinen Fotofachladen Graficolor die Zeit still gestanden zu sein. Nicht, dass sich der Geschäftsinhaber Ruedi Egli und seine Frau Rosmarie Egli-Baldauf gänzlich der digitalen Technik entsagt hätten. Auch in ihrem kleinen Arbeitsreich hat der Computer längst Einzug gehalten, für Bildbearbeitung Farbkorrekturen etc.

Das Kerngeschäft ist und bleibt jedoch die chemische Foto- und Filmverarbeitung. Angeboten werden z. T. Arbeit, die mittlerweile sonst nirgendwo mehr gemacht werden wie. z.B. die R3-Fotoentwicklung. Mit diesem Verfahren werden Fotoabzüge direkt ab Dias gezogen, d.h. positiv ab positiv. «Als Kodak 2003 die Einstellung bekannt gab, kaufte ich sofort noch alle Restbestände an Papier und Entwicklungschemie auf. Die reichen sicher noch bis anfangs des nächsten Jahres.»

Im ersten Stock des Hauses befindet sich das hausinterne Filmentwicklungslabor. Hier verarbeitet Egli seit gut zwei Jahren auch Super-8-Farbumkehrfilme wie der 64T von Kodak. Als im Mai 2005 das Ende des Kodaklabors bekannt wurde war man bei Kodak Lausanne wenigsten darum bemüht, für die Schweitzer Kundschaft von Super 8 ein landeseigenes Labor sicher zu stellen. Zuerst hatte Kodak Lausanne einen anderen Laborbetrieb für die Entwicklung des damals neu eingeführten Ersatzfilms 64T angefragt. Dem Betrieb war das Auftragsvolumen aber zu klein, und die Super-8-Filmenwicklung auf dem Rahmensystem erwies sich als unbrauchbar. Heute ist in der ganzen Schweiz nur noch eine Durchlaufmaschine für die E6-Filmentwicklung übrig geblieben, und diese Maschine befindet sich bei Graficolor in Bern.

Diese Maschine, Baujahr 1978, ist eigentlich für die Verarbeitung von 35-mm-Diafilmen ausgelegt. Für die präzise Entwicklung der viel schmäleren Super-8-Filme, waren einige bauliche Anpassungen nötig, die Egli selber vornahm. So muss beispielsweise die zirkulierende Anreicherung der Chemie mit neuer Dosierung sowie die Wasserzufuhr für die Zwischenwässerungen gedrosselt werden. Für den Filmeinzug, es laufen immer zehn Super-8-Flime parallel durch die Bäder, musste er eine spezielle Vorrichtung bauen.

Genau 45 Minuten dauert es, bis die entwickelten Filme am anderen Ende der Maschine herauskommen. Ein Moment den Egli immer ganz genau abpassen muss, damit er die Filme rechtzeitig auf der Auffangvorrichtung einfädeln kann. Sonst läuft der ganze 15 Meter lange Schnürsenkelstrang in einen Auffangtrog was ein ziemliches Durcheinander zur Folge hätte.

Bereits 300 Kunden lassen Ihre Super-8-Farbumkehrfilme bei Graficolor entwickeln. Egli bekommt auch immer wieder Anfragen aus dem Ausland, verarbeiten möchte er aber nur ausschliesslich Filme von Schweizer Kunden. «Mit all den Spezialwünschen, die immer wieder kommen, bin ich schon so genug gefordert. Schliesslich gibts ja in allen umliegenden Ländern noch Labors, die das auch machen» meint Egli dazu, der kein Französisch sprich aber einen Grossteil an Kunden aus der französisch sprechenden Westschweiz bedient. Und am Ende muss wieder jeder Film dahin, woher er eingesandt wurde. Damit jeder Filme wieder im richtigen Versandbrief landet, führt Egli mit einem speziellen Nummerierungssystem ganz genau Protokoll. Tatsächlich kam es seit den gut zwei Jahren Super-8-Entwicklung bislang nur zu einer Verwechslung. «Eines Tages hatte ich einen sehr aufgebrachten Herrn am Telefon, der nicht sein eigener Film vorfand. Ich konnte dann aber aufgrund meiner Belegzettel schnell den anderen Kunden ausfindig machen.»

Und dann kommen natürlich auch immer wieder Anrufe – vornehmlich von älteren Herren – mit der Frage, wie lange er noch Super-8-Filme entwickeln werde. «Wir machen sicher noch die nächsten sieben Jahre weiter. Bis zu meiner Pension» Die Antwort die er darauf erhält lautet nicht selten «Schön, das ist da noch genug lange für mich!»



Ruedi Egli und die von ihm umgebaute Durchlaufmaschine für die Entwicklung von S8-Filmen.


Auffangvorrichtung für 16-mm-Filme.


Adresse:
Graficolor
Gewerbestrasse 22
3012 Bern
www.graficolor.ch