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  28.5.2002

Archivare schlagen Alarm – elektronische Daten gefährdet

Archivare schlagen Alarm: Es drohe ein kollektiver Gedächtnisverlust, weil elektronische Daten kaum längerfristig gespeichert werden können. Darüber, wie lange Daten auf einer CD-ROM oder auf der immer mehr aufkommenden DVD-Scheibe gespeichert werden können, gibt es nur Gerüchte.

Von Ernst Wolfer

Daten aus der Frühzeit des elektronischen Zeitalters sind bereits verlorengegangen oder doch ernsthaft gefährdet. So etwa frühe Volkszählungsdaten oder Steuerunterlagen. Die heutige Technologie erlaubt nur eine digitale Speicherung von etwa 15 Jahren. Die Informatisierung der Daten trifft die Archive in ihrem Lebensnerv. Die Archivierung elektronischer Daten kostet. Bis zum Jahr 2010 müssen die öffentlichen Archive des Bundes und der Kantone mit zusätzlichen Ausgaben von 25 Mio. Franken rechnen.

Diesen etwas pessimistischen Aussagen der Depechen-Agentur sei ein positiverer Ausblick gegenübergestellt. Horst Ackermann berichtet in «Film & Video» (Nr.2/02) über Versuche mit Brennen von DVD-Scheiben. Er schreibt u.a.: «Als Filmbeauftragter des Hans-Hasse-Instituts bin ich stark daran interessiert, dass filmische Lebenswerk des Tauchpioniers und Forschers Hans Hasse, das mit dem Jahr 1939 beginnt, langfristig zu archivieren. Ich selber habe in meinem privaten Archiv Tonaufzeichnungen, die 45 Jahre alt sind (und den Recorder dazu? EW) und auch VHS-Bänder der ersten Stunde (1978), die bis heute von ihrer damaligen Qualität nichts eingebüsst haben. Die Qualität der versuchsweise auf DVD-RW gebrannten Kopien war nicht schlecht. Für eine weitere Probe wählte ich aus dem Hans-Hasse-Archiv Material, das zum Teil 1939 entstanden war, auf 16-mm-Schwarzweiss-Umkehrmaterial, später auf Negativ kopiert und auf 35-mm aufgeblasen, dann auf Beta und VHS gezogen, um endlich auf einer DV-Kassette zu landen. Dieses Material mit seinem «grausigen» Lebenslauf war wohl eine denkbar schlechte Voraussetzung für einen Brand auf Scheibe. Das Ergebnis war verblüffend: Weder Bildrauschen noch Verschmutzungen haben den Brennvorgang negativ beeinflusst. Was die Bild- und Tonqualität angeht, kann ich aus der gemachten Erfahrung nur sagen, dass die Ergebnisse hervorragend und besser als VHS oder S-VHS sind.
Über die Lebensdauer von DVD und ihre Eignung als Archivierungsmedium gibt es die wildesten Gerüchte und Spekulationen. Seriöse Aussagen sind schwer zu bekommen. Wenn ich in 50 Jahren auf Wolke sieben auf die Überbleibsel der Menschheit und ihrer digitalen Scheiben und Bänder blicke, werde ich etwas mehr und vor allem etwas besser wissen.»

Alles heisse Luft, oder droht uns schon bald der digitale Gedächnisverlust?

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