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25.05.2006

Filmpioniere Teil 7

Josef Mächler (1930*): Gründer des Filmklubs Rapperwil-Jona

Mein Beginn als Filmer war 1947 in der Lehre. Als knapp 17-Jähriger erhielt ich leihweise von einem Onkel eine Pathé-Baby-9,5-mm-Kamera samt Projektor. Dabei waren auch fertige Filme. Diese ungefähr 10 Meter langen Filme waren in eine runde Blechhülle eingerollt, die in den Projektor eingelegt wurde. Der Film lief dann automatisch durch den Projektor und wurde auf einer Gummirolle wieder aufgewickelt. Der Aufwickelraum war schön hinter Glas damit der Film nicht herausfallen konnte. Nach der Projektion wurde der Film wieder in die Blechhülle zurückgerollt. Ein weitere Besonderheit: die Titel waren nur zwei bis drei Bilder lang. Eine seitliche Kerbe liess den Film anhalten so dass der Titel in Stillstandprojektion gelesen werden konnte. Mit einem Hebel wurde der Greifer wieder eingeklinkt und die Projektion ging weiter.

Die Kassetten für die Kamera füllte ich selber mit Ferrania schwarzweiss Filmen. Das war immer eine gehörige Fummelei im Dunkeln, durfte doch die Feder die den Filmanfang auf den Aufwicklungsdorn klemmte, nicht verloren gehen.

So entstand unter anderen ein Filmlein über einen Flugtag auf der Zürcher-Allmend. Die Filme wurden durch die Firma Thévenaz in Wädenswil entwickelt und kamen auf Hartpapier Spulen mit Holzkernen zurück. Beigefügt war jeweils auch ein Zettelchen auf dem etwaige Belichtungsfehler vermerkt waren. Leider musste ich die Geräte wieder zurückgeben. Als einziges Lehr-Buch war damals im Jahre 1947 «Die vollständige Schmalfilm Praxis» von A.P. Frémy zu kaufen. Dieses interessante Buch vermittelte mir viel Wissen über die Filmerei.
Schon früher hatte mich der Film fasziniert. Eine meiner Tanten besass eine Zauberlaterne, ein kombinierter Dia und Filmprojektor mit Petroleumlampe als Lichtquelle. Damit wurden kurze, zu einer Schlaufe zusammengefügte 35-mm-Filmbänder projiziert. Als Schüler verpasste ich keine Filmvorführung im «Fip-Fop-Klub». Zu sehen waren damals 16 mm Mickey-Mouse-Stummfilme auf einem Bell&Howell-Projektor und ich war glücklich wenn mich der Vorführer einen Film einspannen liess. Irgendwann erhielt ich einen Noris-Kadett-Filmprojektor mit Handkurbel. Damit konnten 16-mm-Ozaphanfilme vorgeführt werden. Diese Filme waren sehr dünn, beidseitig lackiert und nur für die Vorführung mit Noris-Projektoren geeignet. Dazu war ein grosses Programm an Trick- und Dokumentarfilmen erhältlich.

1950, zu meinem «Zwanzigsten», leistete ich mir eine Paillard L8 und den zugehörigen Projektor M8R. Diese zwei Geräte kosteten mich damals 3 Monatsgehälter. Ein Kodachrome-N8-Farbfilm kostete damals 20 Franken. Für das gleiche Geld waren im Zürcher Frauenverein ungefähr 6 Mittagessen zu haben. Nebst meinem Beruf war ich noch aushilfsweise Kinooperateur in einem Landkino.

1954 war in den Kinos der erste Breitleinwandfilm zu sehen. Das neue Format benutze einen Vorsatz der das Bild bei der Aufnahme um den Faktor 2 in der Horizontalen komprimierte und bei der Projektion wieder entzerrte. Diese Vorsätze werden Anamorphoten genannt und bestehen aus Zylinderlinsen. Als Optiker kannte ich diese Linsenart bestens und bastelte mir einen solchen Vorsatz, allerdings mit Rücksicht auf die Auflösung des 8-mm-Films mit dem Faktor 1,6. Diesen Vorsatz beschrieb ich 1956 im Juni-Heft des «Ciné-Amateurs». Die Firma Möller bot bald solche Vorsätze für Amateure mit dem Faktor 1,5 an.

In den Sechzigerjahren erweiterte ich meine Ausrüstung um eine Bolex H8 Rx, die ich als sehr zuverlässige und vielseitige Kamera schätzen lernte. So entstand der Film «Die Geburt einer Libelle». Für diesen Film erhielt ich am nationalen Amateurfilmwettbewerb 1967 eine Bronzemedaille.

1975 hatte ich Gelegenheit einen Dokumentarfilm über den Orgel-Bau in einer Kirche in Rapperswil zu machen. Davon ausgehend, dass von diesem Film Kopien gewünscht würden und ich bis jetzt ganz schlechte Erfahrungen mit N8 Kopien gemacht hatte, drehte ich diesen Film mit einer Beaulieu-16-mm-Kamera. In der Folge drehte ich Reise- und Dokumentarfilme auf 16 mm. 1989 hielt ich eine Reise in den Vereinigten Staaten auf Super 8 fest. Mit dem vorbespurten Super-8-Film wurde die Filmerei sehr viel bequemer und schneller. Ein grosser Fortschritt in der Projektionstechnik waren auch die helleren Projektoren mit Xenon-Lampe.

Im Jahre 1958 konnte ich mein eigenes Geschäft «Optik-Photo-Kino» eröffnen. Ich brachte es nicht übers Herz Filmgeräte, die durch neuere Modelle ersetzt wurden, so einfach billig zu «vertschutten». So legte ih diese Geräte einfach beiseite und hatte mit der Zeit eine schöne Sammlung von Filmgräten beisammen. Seither sind viele Geräte dazugekommen, besonders in der Zeit, in der hochwertigste Filmgeräte wegen Video zu einem Taschengeld zu kaufen waren. meine Sammlung zeigt ein Stück Filmgerätegeschichte.

Ich suchte schon 1948 Kontakt zu Gleichgesinnten und machte im Zürcher Amateur Filmklub (AFZ) mit. Die Vorführungen dort machten mir grossen Eindruck, wurden doch die Filme mit Schallplatten und einem Doppelplattenspieler, der pausenlose Musik ermöglichte, untermalt. Während meines Aufenthaltes in Biel machte ich beim dortigen Filmklub mit. Von 1955 bis 1958 lebte ich in Deutschland und war Mitbegründer des Heilbronner Filmklubs. Dann wurde ich in Rapperswil sesshaft und gründete im Oktober 1964 den Filmklub Rapperswil-Jona wo ich seither ununterbrochen Präsident bin.

Nebst Video filme ich heute noch mit Begeisterung auf Schmalfilm-Formate. Meine zwei bevorzugten Kameras sind die Bolex H Rx Kameras, eine Doppel-Super-8-Kamera (von Ruedi Muster in Selzach umgebaut) und eine 16-mm-Kamera mit Festbrennweiten. Zum Problem werden für Filmer könnten mit der Zeit die abgeschliffenen Tonköpfe der Projektoren, die Möglichkeit die Filme bespuren zu lassen sowie das Fehlen von Ersatzteilen werden.

Autor: J.Mächler.Rapperswil


Nachwort von Ernst Wolfer
Im Jahr 1964 wurde der Filmklub Rapperswil-Jona gegründet. Josef Mächler wurde erster (und bisher einziger) Präsident. Seit über 40 Jahren leitet er nun den Klub, und schleppt für jede Monatsversammlung Projektor, Lautsprecher und Leinwand herbei. Sogar sein Auto hat er mit der Bedingung ausgewählt, dass die Leinwand darin Platz findet. Dem Trend der Zeit folgend hat er auch Video in sein Schaffen integriert. Interessierten wird mit Casablanca demonstriert, wie man heute Filme schneidet. Für die jährliche Open-Air-Vorstellung in der Altstadt hat er einen der letzten lichtstarken Xenon-Projektoren angeschafft, damit die Super-8-Filme voll von der Leinwand leuchten. Mit dem neuen Beamer sollen inskünftig auch Videofilme dabei sein. Josef, wir danken Dir für Deinen unermüdlichen Einsatz für den Klub!

Fortsetzung folgt

Josef Mächler.

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