Super8site – Das Online Fanzine für Super 8 Fans Super8site – Das Online Fanzine für Super 8 Fans


11.07.2005

Filmpioniere 4

Walter Glaser: 9,5-mm-Filmer und Präsident der 9,5er-Gruppe St. Gallen

Aus einer längeren Rückschau von 1962 sei hier ein Auszug zitiert:

«Das Jahr 1925 – oder war es 1926 – so genau weiss ich das nicht mehr, bescherte einem Schulfreund einen mich direkt faszinierenden Projektor mit dem Namen Pathé Baby. Die Vorstellungen waren jeweils ausverkauft. Es kam dann auch der erste Kontakt mit einem kleinen braunen Kasten zustande, der eine schöne kleine Kurbel besass. Die kleinste Filmkamera der Welt (damals!) hatte noch kein Federwerk – wozu auch – Filme wurden noch gedreht. Mein sehnlichster Wunsch, selber solche Apparate zu besitzen, ging leider noch nicht in Erfüllung.

Als ich eines Tages in einer Buchhandlung ein Heft über den Selbstbau eines Normalfilm-Projektors erblickte, war ich für anderes nicht mehr zu sprechen. Mit einem gleichgesinnten Freund wurde der Bau in Angriff genommen. Vom Malteserkreuz bis zur Bogenlampe gab es nur eine Parole: «Selbst ist der Mann». Drei Apparate, jeder vermeintlich besser als der andere, wurden hergestellt.

Nach der beruflichen Ausbildung, so um 1939, entspann sich vor einem Ladentisch in einem Fotogeschäft ein ausgedehnte Debatte. Ich wollte eine 9,5-mm-Kamera, die Pathé-HA, doch der Händler warf sein ganzes Wissen in die Waagschale. «In 10 Jahren wird 9,5 mm verschwunden sein», behauptete er. Ich offerierte dagegen eine Wette, dass man dann sogar noch 9,5-mm-Farbfilme haben werde (Der 9,5-mm-Kodachrome-Film kam 1948 auf den Markt).

Ich hatte viel Freude mit meinen 9,5-mm-Apparaten. Ich trat auch sofort dem 9,5-mm-Filmclub bei, der damals vom wohl initiativen Mann und Freund Martin Möckli, geleitet wurde. Aber Krieg und Rationierung führten zur Auflösung des Clubs. Ich wechselte mit mehreren andern Filmern zum St. Galler-Amateur-Club über. Nun begann eine Zeit, in der ich gleich rot sah, wenn jemand auch nur andeutungsweise gegen 9,5 mm war.

Sobald das nötige Rüstzeug in mir steckte – wenigstens nach meinem Ermessen – wagte ich mich zum «Nationalen»* vor. Filme wie «Lass leuchten die weissen Sterne», «In eigener Sache», «Appenzeller Landsgemeinde» (zusammen mit Freund Möckli), «Biancograt», «Leviathan» und andere entstanden. Sie lagen alle im guten Mittelfeld, aber mein Hauptzweck, der Einsatz für 9,5 mm, wurde sicher erfüllt **. Die Leistungsfähigkeit des Formats zeigte sich in einer Grossprojektion in einem Kino, als die 5-Meter-Leinwand voll ausgefüllt wurde.

Einige Zeit experimentierte ich mit 8 mm und sattelte später auf 16 mm um. Ja und dann ging es mir nicht besser als vielen anderen, sie sich etwas nach vorne wagten. Solche Leute «müssen in den Clubvorstand». Nach einigen Jahren als Vize wurde ich eines Tages auf den vordersten Stuhl gesetzt.
1952 errang der Film «Zwei im Fels», den ich zusammen mit Freund P. Bernet erstellt hatte, am «Nationalen»* den 1. Preis. Und das hatte wieder Folgen: Wahl als Jury-Obmann des BSFA (Bund Schweizerischer Film-Amateurclubs).

Wenn ich heute auch mehrheitlich mit 16 mm arbeite, so möchte ich doch betonen, dass ich mich von meiner treuen Pathé-HA-9,5-Kamera nie getrennt habe. Weit über 2000 Meter 9,5-mm-Filme sind nach wie vor mein besonderer Stolz.»

Soweit Walter Glaser in seinen Erinnerungen. Als Nachtrag und Ergänzung einige eigene Erfahrungen mit Walter Glaser. Als begabter Techniker tüftelte er immer wieder Neuheiten und Verbesserungen aus. So auch eine Film-Entwicklungsmaschine. Seine Ideen und Erfahrungen gab er im BSFA-Blatt «Ciné-Amateur/Filmamateur» andern Filmern weiter unter dem Pseudonym «Glawa». Im Keller hatte er ein veritables Kino-Studio eingerichtet mit getrennter Projektionskabine. Hier hielt die 9,5er-Gruppe St. Gallen, die er präsidierte, ihre Sitzungen ab.
Nach seiner Pensionierung verlegte er den Wohnsitz von St. Gallen nach Spiez, um seinen geliebten Bergen näher zu sein. Als technisch interessierter Mensch ist ihm natürlich auch die Video-Kamera nicht unbekannt und beim Stichwort «Casablanca» denke er weniger an Humphrey Bogart als an den grauen Kasten, der in einem hohen Geräteturm eingebaut ist (Video-Schnittsystem).

*Damalige Organisation: Der BSFA ist der schweizerische Dachverband der Amateurclubs. Der «Nationale Wettbewerb» war der höchste Wettbewerb in der Schweiz. Zur Beurteilung der eingereichten Filme gab es eine eigene Nationale Jury, die Walter Glaser einige Jahre präsidierte.

** Einige Filme befinden sich heute im Staatsarchiv in Herisau.

Fortsetzung folgt


Walter Glaser.


» Zur Übersicht