Super8site – Das Online Fanzine für Super 8 Fans Super8site – Das Online Fanzine für Super 8 Fans


04.05.2009

Filmpioniere Teil 15

Marcel Schwendener, leidenschaftlicher Filmsammler, Basel

Marcel Schwendener vom Basler-9,5-mm-Filmclub nimmt insofern eine besondere Stellung ein, als er weniger selber filmte, sondern vorab Filme sammelte. Anlässlich einer Projektion in Zürich, erzählte er, wie er zu den Filmen und damit zu seinem Hobby gekommen war:

«Ein Freund von mir wollte eine Schachtel voll alter Pathé-Filmröllchen zu 10 Meter  Länge in einen Mistkübel werfen. Rasch entschlossen kaufte ich ihm die Rollen für einen «Fünfliber» (fünf Schweizer Franken) ab. Zu Hause sichtete ich die Streifen und montierte zusammen was zusammengehörte. Auf eine 120-Meter-Spule aufgewickelt, lagen einige recht wertvolle Filme vor, die zum Teil einzigartige Dokumente zur Filmgeschichte der Stummfilmzeit bilden, wie z.B. «Cagliostro», «Napoleon», oder «Der Graf von Monte Christo». Es handelt sich dabei um Reduktionen von Kinofilme auf 9,5-mm. Viele Klassiker aus der Stummfilmzeit sind so auf 9,5-mm umkopiert wurden.

Angespornt durch diesen Anfangserfolg begann ich solche alte Filme systematisch zu sammeln. Ich stöberte in Antiquariaten und fand dort zu meiner Überraschung kleinere und grössere Mengen von 9,5-mm-Spulen, die für einen Spottpreis zu haben waren. So baute ich meine Sammlung aus. Mein Freund war höchst überrascht, als ich ihm eines Abends seinen «Abfall» vorführte. Er hätte den Handel gern rückgängig gemacht, aber ich wäre auch mit den zehnfachen Preis nicht einverstanden gewesen. Die folgenden Projektionen liessen uns jenen denkwürdigren Tag im Jahre 1927 miterleben, als Charles Lindbergh nach seinem Alleinflug von 33 Stunden von New York kommend in Paris landete. Ein Jahr später, 1928, strandete die Nordpolexpedition des italienischen Offiziers Nobile; das Zeppelin-Luftschiff ging unter. Der Funker wurde gerettet und mit ihm die Pathé-Handkamera. Hier handelte es sich um echte Amateurstreifen, die das einzige Dokument des Unglücks bildeten. Nobile wurde für den schlimmen Ausgang des Unternehmens verantwortlich gemacht und aus dem Heer ausgestossen. Da in den Anfängen das Selber-Filmen recht teuer war, setzte Pathé auf seine zahlreichen Kinofilme, die vom 35-mm auf 9,5-mm umkopiert wurden, und die man kaufen oder mieten konnte. So sind viele grosse Werke der Stummfilmzeit in 9,5-mm erhalten geblieben.»

Fortsetzung folgt


» Zur Übersicht