Super8site – Das Online Fanzine für Super 8 Fans Super8site – Das Online Fanzine für Super 8 Fans


21.01.2008

Filmpioniere Teil 13

Paul Goy, Bern


Bereits im zarten Alter von vier Jahren liess sich Paul Goy durch einen Onkel vom 9,5-mm-Virus anstecken. Daneben war er auch Kinderdarsteller in zahlreichen seiner Filme.

«Im Alter von vier Jahren war ich bereits für den 9,5-mm-Film begeistert. Um 1930 hatte sich ein Onkel von mir eine Pathé-Kamera angeschafft und drehte damit seine ersten Filme. Zuerst musste er sich den Rhythmus aneignen, mit dem man die Handkurbel drehen musste. Als guter Handwerker schuf er die Gefässe selber, in denen er dann die Schwarzweiss-Filme entwickelte. Wir Kinder waren die Darsteller und konnten natürlich kaum abwarten, uns selber auf der Leinwand zu sehen. Ein Knabe aus dem Quartiers lud uns immer zur Projektionen auf einem Pathé-Baby 9,5-mm-Projektor zu sich nach Hause ein. Der Eintritt kostete 10 Rappen – für diejenigen die das bezahlen konnten.

Die Zeit verging! 1957 unsere eigenen Kinder spielten, und einfache Szenarien gaben die Illusion des grossen Kinos (Fernsehen hatten wir noch nicht). Ein angefügter Motor transportierte in der Kamera «Camex» von Pathé den 12 Meter langen Schwarzweiss-Film in einer Kassette (dies wohlgemerkt schon vor Super-8). Mein erster Stummfilmprojektor war ein «Ercsam» mit regelbarer Geschwindigkeit. Die Geschwindigkeitskontrolle mit einer Stroboskopscheibe ergab die Möglichkeit einer Vertonung auf separatem Tonband. Basierend auf diesem Effekt konstruierte ich eine Synchronisation auf exakt einer 1/8 Sekunde. Eine kleine Lampe zeigte laufend die genau Synchronisation und andere Signale zeigten die Differenz zwischen Band und Projektor. So hatte ich eigenhändig ein neuartiges Synchronisationssystem geschaffen.

Die Kapazität von 12-Meter-Filmen in der Kamera genügten bald einmal nicht mehr.
So verkaufte ich meine «Camex» um eine «Webo M» anzuschaffen mit Reflexsucher, einem Objektvrevolver mit 3 Objektiven, und vorab einer Kapazität von 30 Meter Film auf Spule. Ablauf und Stabilität des Films waren sehr gut.

Ein Projektor «IMS 250 Ligonie» im Austausch zum «Ercsam» ergab die Möglichkeit, meine Filme zu vertonen. Mit einer selber konstruierten Maschine brachte ich die Tonspur auf den 9,5-mm-Film. Meine Spezialität war es, 16-mm-Filme, deren Perforation zerschlissen war, in 9,5-mm-Film zu verwandeln. Die beiden Perforänder schnitt ich ab, um zwischen den Bildern die neue 9,5-mm-Perforation zu stanzen. Dies war dank dem praktisch identischem Bildabstand möglich. So kann man auch heute noch 16-mm-Filme vor dem Abfallkübel retten.

Die Kinder wurden grösser, die Familienfilme weniger zahlreich. Aber heute, im Alter von 81, habe ich noch mit Freude verschiedene Filmprojekte vor Augen.»

Fortsetzung folgt

» Zur Übersicht