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  3.12.2001
9,5mm – das erste Amateur-Filmformat (Teil 5
)

Ein Filmpionier – Charles Pathé Teil 1

Filmen war für die Amateure kompliziert und teuer, sehr teuer. Nur ein elitärer, kleiner Kreis konnte sich dieses Hobby leisten. Sollte es weitere Verbreitung finden, gar zum "Volkssport" werden, dann musste die Sache neu überdacht werden. Das tat Charles Pathé in Paris.

Von Ernst Wolfer

Pathé war der Begründer des 9,5mm-Amateurformates, stammte aus einer bescheidenen Elsässer Familie. Er hatte eine harte Jugend, so hart, dass er nach Südamerika auswanderte, wo er sein Brot als Bauarbeiter verdiente. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich interessierte ihn der Phonograph von Edison. Mit seinem Bruder Emil trieb er einen Handel mit der "sprechenden Maschine", wobei er das Gerät auch in Jahrmarktsbuden vorführte. Er begann selber mit der Fabrikation solcher Apparate, erst auf handwerklicher Basis, dann auch industriell. Auch das Kinétoscope von Edison interessierte ihn, das er verbesserte. 1896 brachte er mit Hilfe seines Mechanikers Joly eine eigene Version des Cinématographen von Lumiére auf den Markt und machte eine Anzahl von Kurzfilmen, unter anderem, als Imitation von Lumiére, "L' arrivée du train en gare de Vincennes". Im gleichen Jahr gründete er mit seinen Brüdern Emile, Jacques und Théophile in Paris die Firma "Pathé Fréres". Seine Bürder waren aber eher "stille Teilhaber", die Ideen und Intiativen gingen immer von Charles aus. In Vincennes wurde 1902 das erste grosse Studio gegründet sowie eine Fabrik für Rohfilme. In Joinville (ebenfalls ein Stadtteil von Paris) gründete er ein Jahr später Labors für die Entwicklung von Negativ- und Positivkopien. 1907 hatte sich die Firma fest etabliert und verfügte über mehrere Ateliers in England, Deutschland, Italien, Spanien, Russland und den USA. Nachem er die Filmproduktion industrialisiert hatte, wandte sich Pathé dem Filmvertrieb zu. Inzwischen hatten feste, komfortable Kinogebäude die Jahrmarktsbuden verdrängt, und Pathé eroberte sich diesen Bereich. Filme wurden nicht mehr verkauft, sondern ausgeliehen. Da ist die Zeit des Pathé-Journal (immer in 35 mm), wo Reporter in aller Welt die Berichte realisierten, die ab 1913 regelmässig zu einer neuen Wochenschau für die Kinos zusammengestellt wurden.1900 engagierte Pathé Ferdinand Zecca als Regisseur, der zunächst mit der Imitation der Filme von Méliès begann, bevor er seine eigentliche Stärke, die Filmkomödie entdeckte, Pathé Fréres produzierte eine Vielzahl von Filmen, naiven Komödien bis zu hochwertigen Werken des Films d'Art, wobei Talente wie Max Linder zum Zug kamen. Fortsetzung folgt!

Ernst Wolfer: Filmen damals (1992)


Charles Pathé (1863-1957), Chef der Firma Pathé-Frères in Paris, Erfinder des ersten Amateurfilmformats: 9,5 mm
(Bild aus Jürgen Lossau: «Filmkameras», Atoll Medien, hamburg, 2000)


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