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  19.8.2001
9,5mm – das erste Amateur-Filmformat (Teil 2)

Das 35-mm-Band und die Leica

Von Ernst Wolfer

Edison ist (um 1894) der Schöpfer des 35-mm-Films, der heute noch in den Kinos läuft, und der sich in jedem nicht digitalen Kleinbild-Fotoapparat befindet. Es wurde früher auch oft «Leica-Format» genannt, weil Oskar Barnack, Leiter der Versuchsabteilung bei Leitz in Wetzlar, diesen eigentlich für das Kino bestimmten Film in seine neuartige Kamera, die Leitz-Camera, einsetzte. Als die Leica an der Frühjahrsmesse von 1925 in Leipzig vorgeführt wurde, bedeutete dies eine «Revolution in der Photographie». Aber das Negativ von 24 x 36 mm war so viel kleiner als die bisherigen Fotoformate von 6 x 9 und 6 x 6 cm, dass man ihm kaum über den Weg traute. Erst die Nachkriegszeit mit dem Farbdia, genormt auf 5 x 5 cm, brachte den Durchbruch. Das Format hatte viele Angriffe von «neuen Formaten» zu bestehen, und es wird auch weitere bestehen müssen. Selbst wenn dereinst alle Fotoamateure digital aufnehmen, wird der 35-mm-Film das bestes Archivmaterial bleiben. Papier ist dem Säurefrass unterworfen, Magnetpartikel werden desorientiert, der Mikrofilm jedoch überdauert Jahrhunderte.

Doch kehren wir zum Kino zurück: Edison hatte die Breite von 35-mm nicht zufällig gewählt, er fand sie nach zahlreichen Versuchen optimal. Einerseits durfte das Filmbildchen nicht zu klein sein, weil es sonst bei der damaligen grobkörnigen Emulsion keine ausreichende Projektionsgrösse zugelassen hätte. Ein wesentlich breiterer Film hätte aber allerhand technische Probleme gebracht bezüglich Planlage, Ausleuchtung, Transportgeschwindigkeit usw. – Zum Fotografieren wurden Glasplatten verwendet, für einen Film war aber ein Material gesucht, das geschmeidig und doch klarsichtig war. Dies war das Zelluloid, das der Methodisten-Pfarrer und Hobby-Chemiker Hannibal Goodwin im Jahr 1887 erfunden hatte. Nach der Herstellungsweise wird es auch auch Nitrozellulose genannt. George Eastman (Kodak) setzte sich über das Nachahmungsverbot hinweg und begann 1889, klarsichtigen Film herzustellen.

In Frankreich: Lumière
Die Gebrüder Auguste und Louis Lumière, die in Frankreich ein grosses Unternehmen für fotografische Produkte besassen, interessierten sich 1894 dafür, Bänder für Edisons Kinétoscope zu fabrizieren. Dazu benötigten sie eine Aufnahmekamera. In einer schlaflosen Nacht erfand Louis Lumière das Prinzip der Kamera. Ein Prototyp wurde von Louis und seinem Chefmechaniker Charles Moisson konstruiert. Mit einem zweiten Modell wurden 1894 die Arbeiter gefilmt, die die Lumièresche Fabrik verliessen. Die erste öffentliche Vorführung fand am 28. Dezember 1895 im Grand Café am Boulevard des Capucines statt. Alle dort gezeigte Filme hatte Louis Lumière selber gedreht, entwickelt und kopiert. Im Film «Ankuft eines Zuges» fährt die Lokomotive auf die Kamera zu, was die Zuschauer in panischen Schrecken versetzte.
Der Besitzer des Vorführsaals, M. Volpini, traute der Sache nicht recht, er wollte lieber eine feste Entschädigung von 30 Francs pro Tag statt der offerierten 20% der Einnahmen. Doch der Erfolg war enorm. Alles eilte an den Boulevard des Capucines, um die Weltneuheit zu sehen. Bei einem Eintrittspreis von einem Franc wurden während dreier Wochen täglich (!) bis zu 2500 Francs eingespielt. M. Volpini wird seinen Pessimismus sicher bedauert haben.

Die Kamera, die – wie später auch bei andern Erfindern üblich – für die Aufnahmen und die Wiedergabe des Films diente, fasste 27 m Normalfilm (35 mm), was eine Aufnahme und Projektion von rund drei Minuten gestattete. Geht die Auszeichnung «Erster Filmamateur» also an Louis Lumière? Protest meldet sich.
Fortsetzung folgt!


Filmkamera von Louis Lumière. Sie fasst 17 m Normalfilm (35 mm) für etwa drei Minuten Aufnahmedauer.


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