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  3.12.2001
Aus meiner Flimmerkiste (2 )

Es beginnt mit der Fotografie

Von Dr. Max Abegg

Stimmt nicht und -- stimmt doch. Einzelne Historiker starten mit den Höhlenzeichnungen der Steinzeit, fahren weiter mit Ägyptischen Hieroglyphen, kommen dann über zahlreiche Zwischenhalte zur Laterna magica, zum Lebensrad und anderen Vorläufern der Kinematografie und -- schon sind wir mittendrin in den Anfängen des Films. Damit die Kinematografie im heutigen Sinn erschaffen werden konnte, musste zuerst fotografisches Material erfunden werden. Tun wir daher einen (ganz kleinen, geschwinden) Seitenblick in die Entwicklungsgeschichte der Fotografie.

Ein paar (wesentliche) Daten genügen. Im Jahr 1816 baute der Franzose Nicéphore Niepce seine ersten Kameras mit Linse. Er nannte sie "künstliche Augen" und machte damit negative (und nicht lichtbeständige) Bilder, die er seinem Bruder Claude schenkte. - 1829 vereinigten sich die Messieurs N. Niepce und Louis J.M. Daguerre zu gemeinsamer Arbeit. 1835 entdeckte Daguerre durch Zufall, dass ein latentes (belichtetes) Bild auf einer Jodsilber-Platte mit Hilfe von Quecksilberdampf entwickelt wreden kann: die Fotografie ist geboren. - Am 2. Mai 1887 meldete ein amerikanischer Geistlicher namen Reverend Hannibal Goodwin (1822-1900) ein Patent an, das für die Entwicklung der Kinematografie den Grundstein legt, und das die Herstellung von fotografischen Filmen auf Zelluloid zum Inhalt hat. Rev. Goodwin erhält seine Patenturkunde mit der Nummer 610.661 - nach einem jahrelangen (historischen) Patentstreit mit Geoge Eastmann ("Mr. Kodak") - erst am 13. Sept. 1898, also knapp zwei Jahre vor seinem Tod. Diese Patenschrift umriss sowohl den Rollfilm auf Zelluloidunterlage, als auch das Herstellungsverfahren, das die Eastman-Kodak-Company dem Rev. Goodwin streitig machte. Im Lauf dieses Patentstreites kam Rev. Goodwin an den Bettelstab. Er sah sich gezwungen, seine Patente gegen Bargeld und Aktien an eine Vorläuferfirma der heutigen "Ansco Incorp., Binghamton(USA)" zu verkaufen. Erst im März 1914 (14 Jahre nach seinem Tod) wurde Rev. Goodwin endgültig und offiziell als rechtmässiger Erfinder der Zelluloidunterlage des Rollfilms anerkannt. Auf einer Gedenktafel, die ihm Kirchenmitglieder und der "Essex Camera Club" 1914 stifteten, ist u.a. zu lesen: "...seine Versuche gipfelten in der Erfindung des fotografischen Films. Zur Erinnerung an den Erfinder, dessen Idee sich als wesentlich für die Bildung und Unterhaltung der Menschheit erwiesen hat, wurde diese Gedenktafel errichtet." - Das darf man wohl mit Fug und Recht sagen! Fortsetzung folgt!


Die erste (erhalten gebliebene) Fotografie der Welt: Blick aus dem Arbeitszimmer in Le Gras, von Nicéphore Niepce, ca 1827.
(Quelle, NZZ 100/01)


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